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Woyzeck

Deutschland 2012

 

 

Vor fast 180 Jahren geschrieben, reizt Büchners »Woyzeck« noch immer Musik-, Theater-, und Filmregisseure, aber auch Schriftsteller oder Comiczeichner zu zeitgenössischen Adaptionen. »Jeder Mensch ist ein Abgrund«, dieser Satz bleibt offenbar durch die Zeiten und Verhältnisse von beklemmender Aktualität. Hier lebt Woyzeck mit Frau und Kind im Berliner Wedding. Die Wohnung kärglich, die Liebe bedroht, das Dasein ohne wirkliche Perspektive. Noch mit der Hoffnung auf ein wenig Glück, ein Häuschen auf dem Lande. Dafür braucht es Geld und mehrere Jobs. Als Müllsammler unten in den U-Bahnschächten, als billige Aushilfskraft oben in der arabischen Kneipe und als Versuchskaninchen für Drogenexperimente. Getrieben von Ängsten und Halluzinationen wächst die Verzweiflung. Kein Ort, nirgends. 

Fotos: Magic Flight Film ©Oliver Vaccaro


 

Themen

Außenseiter, Drogen, Eifersucht, Familie, Filmsprache, Geschlechterrollen, Gewalt, Identität, Krankheit, Kriminalität, Lebensentwürfe, Liebe, Literaturverfilmung, Moral, multikulturelle Gesellschaft, Schuld und Sühne, Werte, Zukunftsperspektiven

 

Fächer

Darstellendes Spiel, Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»Nuran David Calis holt den ›urdeutschen‹ Stoff Woyzeck in die Gegenwart – bürstet ihn gegen den Strich ... und hat ihm zweifellos zu neuem Leben verholfen.« 
Jochen Kürten, Deutsche Welle

»Das ist eine aufregende Verarbeitung der Büchner’schen Vorlage, sinnstiftend, prall in der Situation, satt in der Figurenzeichnung, der Außenseiter wird auch hier nicht romantisch. Ein erstklassiger Milieufilm, das ist dieser ›Woyzeck‹. Der militärische Komplex bei Büchner wird bei Calis zum gesellschaftlichen Ort.«
Joachim Huber, Der Tagesspiegel, Berlin

»Calis Theaterfilm funktioniert, weil er für Büchners zeitloses Drama mit dem von ihm gezeichneten Wedding ein perfektes Setting entwickelt, in dem vor allem Tom Schilling groß aufspielt.«
Denis Demmerle, berliner-filmfestivals.de

»Calis überzeugt mit seinem Blick auf soziale und ethnische Konflikte. Die filmischen Mittel, die er wählt, liegen nahe: Stimmen und scharfe Geräusche, die Woyzeck zu hören glaubt, zerfließende Bilder, um sein schwindendes Bewusstsein zu illustrieren. Obgleich viel passiert, wirkt es plausibel, wenn Woyzeck sagt: ›Alles still, als wäre die Welt tot.‹«
Thomas Groß, Mannheimer Morgen

»Die akustisch eindrucksvolle Tonspur des Films, die seine ebenso packende wie verstörende Bildwelt begleitet, komponiert Sätze aus Büchners Bühnentext und Echos aus seiner Erzählung ›Lenz‹ mit Berliner Kiez-Slang zu einer hochmusikalisch verdichteten Sprachpartitur.« 
Klaus Gronenborn, Deutschlandfunk, Köln



zuletzt aktualisiert am 09.12.2013

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