flüstern & SCHREIEN

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flüstern & SCHREIEN

DDR 1988 / Dokumentarfilm / 120 Minuten / 9.-13. Jahrgangsstufe

Inhalt

»Wir woll'n immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne. Jeder lebt sein Leben ganz allein – und abends fallen die Sterne.« Derartige Texte konnten in Ohren, die alles mithören wollten, höchst verdächtig klingen. Eine Band namens »Feeling B« schleuderte sie DDR-Bürgern entgegen, die 1987, im real existierenden Sozialismus, an der Ostsee ihren Urlaub verbrachten. Von Volkspolizisten beobachtet, tanzten Jugendliche wilden Pogo zum Punk. Neben den exzentrischen »Feeling B« lässt der lang geplante und schließlich genehmigte Dokfilm weitere Gruppen hören: »Silly« (mit der frühverstorbenen Tamara Danz), »Chicoree« (mit Dirk Zöllner) und »Sandow«. Wir erleben sie bei Konzerten und im Kontakt mit den Fans. Keine Vorzeige-Jugend, die hier spricht, sondern junge Leute, die von ihren Hoffnungen und Träumen erzählen. Punk und Rock als Ausdrucksformen einer Generation, die sich nach Freiheit sehnt und nicht die »Kampfreserve der Partei« sein möchte. Kein Film gegen das Land, aber weit weg von Propaganda: einfach die Realität. 

Im November 1988 in die Kinos gekommen, erreichte er ein Millionenpublikum. 

Fotos: © DEFA-Stiftung/Tina Bara

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Fächer

Deutsch   |  Geschichte   |  Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde   |  Musik   |  Politische Bildung

»›flüstern & SCHREIEN‹ ist nicht nur ein Film des Lauten und Grellen. Leises, Nachdenkliches, Untertöne schwingen mit. Er zeigt, daß der Rock, wie andere Künste auch, geistige Ansprüche stellt und auf mannigfaltige Art wirkt. Wir lernen Jana aus Naumburg kennen. Sie läßt kein ›Silly‹-Konzert aus, wirft sich zuvor in ihre Konzertsachen – dann ist sie ein kleines Ebenbild der von ihr geliebten Sängerin Tamara Danz –, geht auf die Reise, um sich aus nächster Nähe der Musik hingeben zu können. Einmal, im Zug nach Hause, erzählt sie davon, wie sie sich ihre Zeit für Arbeit und Konzert, für Alltag und Traum, einteilen wird, wenn die Lehre in Leuna beginnt. Und die Kamera schwenkt auf eine Industrielandschaft, an der der Zug eben vorbeifährt. Freimütig geben sie, die als Tischler, Instandhaltungsmechaniker, Friseusen arbeiten, Auskunft. So verschieden sie sind, so bunt und vielfältig ihre Rede. In einem aber gleichen sie sich: Sie wollen sich nicht in angestaubter Selbstzufriedenheit verlieren, wie der 17jährige Kai von der Gruppe ›Sandow‹ es nennt, sondern ihren eigenen Kopf benutzen. Gründlich war der Film vorbereitet worden, vor der Drehzeit gab es briefliche Recherchen, und Fanpost wurde gelesen. Insgesamt drei Jahre arbeiteten Schumann und Wisotzki daran. Entstanden ist eine vielschichtige Arbeit, die Verständnis weckt und bei den Jugendlichen nicht nur Heiterkeit beim Wiedererkennen, sondern auch Selbsterkenntnis bewirkt.«
Birgit Galle, Neues Deutschland, Berlin/Ost (1988)

»Die Gespräche mit den Fans ließen dagegen meist nur Vermutungen zu, ob Gedankengut und unkonventionelles Äußeres jeweils durchdachtet Überzeugung oder alternativer Mode zuzurechnen sind. Hier ist die Oberflächlichkeit der Autoren, nicht nachzufragen, offensichtliche Floskeln nicht zu entkleiden, besonders zu bedauern. Welcher Art ist der vielzitierte Frust, dessen man sich beim Pogo-Tanzen entledigt? Wie sehen die eigenen Wertvorstellungen, Träume und Ideale aus. da man die elterlichen pauschal ablehnt? Daß schließlich in diesem Kontext alle befragten Erwachsenen freundliche Toleranz gegenüber den Punks bekundeten, dürfte wohl beschönigend an den Realitäten vorbeigehen. Optisch hat der Streifen einige starke Momente, wenn er sich an Metaphern versucht; die Konzertaufnahmen hat man auch schon origineller gesehen. Insgesamt ist dieser trotz aller Einwände ansehenswerte Film ein Angebot zu einem Thema, das für die DEFA hiermit nicht erledigt sein sollte.« 
Thomas Melzer, Berliner Zeitung (1988)

»1987 produziert Roland K.G. Gernhardt für die Defa den Musikfilm ›Flüstern und Schreien‹. Der Film ist ein Auftragswerk, die DDR - die Jugend will Musikfilme und soll nicht nur amerikanische konsumieren. In das identitätsstiftende Projekt drückt Gernhardt eine gerade gegründete Kapelle, Feeling B. Das Trio, die erste professionelle Punkcombo der DDR, wird zu den eigentlichen Protagonisten des Films. Gitarrist Paul Landers übernimmt die Tonmischung und den Schnitt, Sänger Aljoscha Rompe die Reklamearbeit, weil ›der Direktor der Defa herzkrank war, und nicht aufgeregt werden durfte‹. ›Flüstern und Schreien‹ wird nach Verbotsgerüchten ein Straßenfeger, Feeling B zur Initiation einer Generation. Konzerte waren echte Volksfeste, komischerweise zog der ausgesprochene Dilettantismus Intellektuelle und Trinker gleichermaßen an. Feeling B durften die erste Punk-Platte der DDR aufnehmen, setzten die Amigastudios ins Chaos und produzierten 1989 mit ›Hea Hoa‹ die bis heute bemerkenswerteste deutsche Punkscheibe. Aljoscha Rompe wird endgültig General des Ostberliner Undergrounds und Roland K.G. Gernhardt sein Hausfilmer.« Heinrich Hecht, Der Tagesspiegel, Berlin (2001)

»Was soll ich groß über einen Dokumentarfilm schreiben, den man einfach sehen und vor allem laut hören muß, der meine Jugend geprägt und mein Leben begleitet hat? […] Thematisch ist dieser Film ein authentisch-ehrlicher Rockreport aus dem Jahr 1987, der auf der einen Seite die DDR-Stars SILLY und aufstrebenden Pop-Funk-Band CHICOREE auf Tour begleitet und auf der wahrlich ›anderen‹ Seite den Punk-Untergrund mit FEELING B und SANDOW beleuchtet. FEELING B um ALJOSCHA (R.I.P.), FLAKE und PAUL geben sich natürlich und spontan, ihr frisch-froher Punk-Sound animiert Fans zum Pogo im Ostseesand oder Vergessens des sozialistischen Alltags. SANDOW dagegen standen damals noch am Anfang bzw. waren sehr jung und ihre Songs sind mit zornig-grüblerischen Neo Folk/Wave am ehesten beschrieben. Hier spürt man noch nicht von der kommenden tonalen Gewalt ihrer späteren Alben und auch bis zur ihrer Abgesangs-Hymne ›Born In The GDR‹ war es auch noch eine Weile hin […] Spätestens wenn die Punkpiraten um ALJOSCHA im schrottigen ELLO durchs Bild klappern, steigt die Stimmung wieder. Neben den Musikern kommen auch jede Menge Fans zu Wort und die stimmungsvolle Überblendungen zu den einzelnen Bands sind atmosphärisch-realistische DDR-Momentaufnahmen. Als im Abspann dann PAUL LANDERS mit seiner Gitarre im Gepäck die Kopfsteinstraße runter läuft und im Off FEELING B’s ›Unter dem Pflaster‹ donnert, wird es zur Gewißheit: So schön wird es nie wieder werden und sicher gibt es bessere Zeiten, doch diese war die unsere!« Marco Fiebag, zitiert nach: http://www.die-anderen-bands.de/dvd_fluesternundschreien.html

»Höchst faszinierendes Zeitdokument, entstanden in den späten 80ern im Auftrag der DEFA. Ein Porträt von Bands der DDR, welche abseits vom Mainstream-Pop agierten, seien es die Punker von Feeling B (einige der Musiker kamen nach der Wende zu Rammstein) oder der New-Wave-angehauchte Rock von Silly. Darüber hinaus kommen immer wieder die jungen Zuhörer zu Wort. Insgesamt fand ich den Film als Dokumentation etwas ziellos, beliebig montiert und nicht allzu informativ. Als absolut Unbewanderter in Sachen DDR-Musik (bin Jahrgang 1995), hätte ich gerne mehr Informationen zu den Gruppen gehabt oder wenigstens eine Texteinblendung, wer die Band überhaupt ist, die gerade interviewt wird. Ist aber gut möglich, dass die Gruppen der Zielgruppe damals alle bekannt genug waren, das kann ich nicht beurteilen. Während der Film als Doku bestimmt nicht perfekt ist, so ist er doch als historisches Dokument hochinteressant und faszinierend. Der Einblick ins Leben Jugendlicher und junger Erwachsener in der DDR, insbesondere natürlich in die Punk-Szene ist wohl beispiellos. Beeindruckend, wie wenig sich die Jugendkultur in 30 Jahren doch verändert hat, die meisten der gezeigten Gestalten könnte man ohne Probleme in die Jetztzeit verfrachten und sie würden durch Aussehen und Slang kaum auffallen. Vielleicht abgesehen von den Silly-Fangirls mit ihren wilden Haarspray-Mähnen. :)« Strackymandias (2018), zitiert nach: https://www.moviepilot.de/movies/flustern-38-schreien

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