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Enklave
Enklava

Deutschland/Serbien 2015

 

 

»Ich habe keinen besten Freund, denn in meinem Dorf gibt es keine Kinder.« Der 10-jährige Nenad sitzt mutterseelenallein im Klassenzimmer, am nächsten Tag hat sich sogar die Lehrerin nach Belgrad davongemacht. Der Junge lebt – 2004 – in einer serbischen Enklave im Kosovo, zusammen mit seinem verbitterten Vater und dem geliebten Opa, der nun im Sterben liegt. Bisher wurde Nenad von KFOR-Soldaten im Schützenpanzer zur Schule gebracht. Manchmal fuhr der Pfarrer mit, der die zerstörte Kirche mit einer neuen Glocke zumindest hörbar wiederauferstehen lassen möchte. Es herrscht Frieden im Land, aber die Wunden vernarben nicht. Die Feindschaft zwischen Serben und Kosovaren wird von den Familien auf die Kinder übertragen und stets aufs Neue angefacht. So gerät Nenad in lebensbedrohliche Gefahr, nachdem es ihm scheinbar gelungen ist, sich mit drei albanischen Jungen anzufreunden. Die Glocke wird für Nenad erst zum Gefängnis, dann aber doch zum Symbol einer möglichen Versöhnung. 

Ein Film von stiller Wucht, berührend, ergreifend – und mit einer großen Hoffnung.

Fotos: barnsteiner-film, Ascheffel


 

Themen

ethnische und kulturelle Diversität, Außenseiter, Empathie, ethnische und religiöse Konflikte, Familien- und Generationsbeziehungen, Flucht/Vertreibung, Freundschaft, Heimat, Identität, Kosovo-Konflikt, Krieg, Kriegsfolgen, Schule, Sicherheits- und Friedenspolitik, Trauer und Tod, Vorurteile, Wahrheit, Werte, Zukunftsperspektiven

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Regisseur Goran Radovanović, 1957 in Belgrad geboren, findet in seinem Film, den Serbien im vergangenen Jahr als Oscar-Kandidat empfohlen hatte, eine ganz eigene und wirkungsvolle Poesie in der Bildsprache. Schmerz und Hoffnung liegen dicht beieinander. Nicht zuletzt in der Mimik von Nenad, die sämtliche kindliche Gefühlslagen eindringlich widerspiegelt. Ein subjektiver Zugang, der zur Vorgeschichte und zum Kontext seiner Figuren viele Fragen offen lässt, aber gerade dadurch das Universale dieser Geschichte zum Vorschein bringt.« Nils Michaelis, vorwärts, Berlin

»Damit beleuchtet Enklave in kongenialer Weise den Konflikt im Kosovo, lässt sich darüber hinaus aber auch universeller als Beitrag über kulturelle Konflikte lesen. Dabei macht der Film keine ideologischen Vorgaben, sondern zeigt, wie Menschen versuchen, in einem hasserfüllten Umfeld zurechtzukommen, zu überleben und zu leben. Das ist die große Leistung des Films, die er dank seiner zurücknehmenden Art der Narration auch erzählerisch wunderbar umsetzt.« Verena Schmöller, kino-zeit.de, Mannheim

»Ich habe den Originalfilm gesehen, mit englischen Untertiteln. Hier sind die beiden Sprachen – albanisch und serbisch – im Schriftbild unterschieden. Ich hoffe, dass diese Unterschiede irgendwie erhalten bleiben, wenn der Film ab heute im Kino gezeigt wird. Gerade in der Zweisprachigkeit symbolisieren sich die Differenzen. Erst ganz zum Schluss wird deutlich, dass die Sprache alleine keine Identität stiftet – Nenad bleibt auch in Belgrad der Paria. ›Enklave‹ ist das, was man ›großes Kino‹ nennt. Die Bilder wird man nicht mehr so schnell los, sie setzen sich fest und bleiben. Ein großartiges, ein episches Meisterwerk.« Lothar Struck, Glanz & Elend – Magazin für Literatur und Zeitkritik, Frankfurt/Main

»Diese archaisch anmutende Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt, beobachtet Regisseur Goran Radovanović mit dem nüchternen Blick des erfahrenen Dokumentarfilmers: Sein Drama ist karg inszeniert. Die meist skizzenhaften Szenen, häufig symbolisch überhöht, gleichen einer Reihe präziser Einzelbeobachtungen. Radovanović’ Figuren verlieren kaum Worte, dafür drücken sich alle Emotionen in ihren ausdrucksstarken Gesichtern aus. Insbesondere die Leistungen der beiden Kinder-Darsteller Filip Šubarić und Denis Muric sind herausragend.« Dörthe Gromes, kunst+film, Kassel

»Jungdarsteller Filip Subaric leistet als Nenad ganz Erstaunliches, vermag er doch in erster Linie durch seine Gestik und Mimik, Gefühle auszudrücken. Ihm gegenüber steht Denis Muric als muslimischer Kosovo-Albaner Baskim, der vom Hass auf alle Serben getrieben wird. Auch Muric überzeugt als hochemotionaler Junge, der – fatalerweise – bald an eine Schusswaffe gelangt. Die Szenen, wenn sich die beiden Jungen begegnen und Auge in Auge gegenüberstehen, gehören zu den intensivsten, stärksten des Films. Auf der einen Seite Baskim, mit der Waffe zum Äußersten bereit. Auf der anderen Nenad, der lediglich auf der Suche nach dem Pfarrer ist, um seinem Großvater eine würdige Bestattung zu ermöglichen. Stellvertretend stehen diese Zwei hier für den Konflikt zwischen Kosovo-Albanern und Serben.«
Björn Schneider, programmkino.de, Osnabrück

»Zwischen allen Fronten bahnt Nenad sich seinen Weg durch das kleine Territorium seiner Existenz und begegnet den Menschen mit einer kindlichen Mischung aus Neugier, Angst und Lebenslust. Er und die anderen Jungen schaffen es im Gegensatz zu den Erwachsenen, miteinander schließlich doch in Kontakt zu treten. Zwar geht das nicht ohne Risiko, aber ihre Begegnung birgt trotz der Entfesselung von Gewalt das einzige Fünkchen Hoffnung in dieser prägnanten filmischen Darstellung einer verwüsteten Koexistenz.« Marguerite Seidel, film-dienst, Bonn

»Der Film teilt sich im Verlauf dramaturgisch sehr geschickt in verschiedene parallele Handlungsstränge. Der eine folgt Nenad auf dem Weg zu Pfarrer, der andere erzählt von einer albanischen Hochzeit, der dritte beobachtet Nenads Vater und Tante bei den Vorbereitungen für die Beerdigung des Großvaters. Der aufgeweckte, mutige Nenad wird sehr überzeugend und einfühlsam von dem kleinen Filip Subaric gespielt. In den satirischen Biss, mit dem der ganze Widersinn des Alltags von Nenad und seinem Umfeld ausgebreitet wird, mischt sich, je mehr der Junge begreift, Traurigkeit. Gerade diese Gefühlstiefe steht dem Realismus des Films gut.« Bianka Piringer, spielfilm.de, Nierstein

»Regisseur Goran Radovanovic arbeitete für ENKLAVE mit dem deutschen Kameramann Axel Schneppat zusammen, der die eingeschränkten Blickwinkel seiner Protagonisten in seiner Bildgestaltung übernimmt. Ein Teil der Musik stammt von Eleni Karaindrou, der Langzeit-Mitarbeiterin des verstorbenen griechischen Altmeisters Theo Angelopoulus. Radovanovic stellt die Frage, ob eine gemeinsame friedliche Koexistenz der beiden Gemeinschaften überhaupt möglich sein kann und macht seine Geschichte zur universellen Parabel.« 

Jens Mayer, indiekino.de, Berlin



zuletzt aktualisiert am 09.11.2017

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