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Nomaden des Himmels
Sutak

Kirgistan 2015

 

 

»Was ist das überhaupt für ein Beruf? Das Wetter messen!« Die Großmutter lässt ihrem Unmut freien Lauf. Ihr Mann solle sich nicht so viel mit Ermek, dem zugereisten Meteorologen, abgeben. Der werde ihnen die Schwiegertochter weg- und mit in die Stadt nehmen. Nah an den Wolken leben sie hier oben, in diesem fast paradiesischen Gebirgstal. Die kleine, fröhliche Umsunai, ihre verschlossene Mutter Shaiyr, der liebevolle Opa und die argwöhnische Oma. In Einklang mit der Natur, auf Gott vertrauend, den Traditionen verpflichtet, Legenden weitergebend. Umsunais Vater ist kurz nach ihrer Geburt vom reißenden Gebirgswasser mitgerissen worden und ertrunken. Das Mädchen vermisst ihn sehr. Nachdem ihr der Großvater eine Geschichte erzählt hat, steht für sie fest: Der Vater lebt, kreist als majestätischer Adler am Himmel. Als ihr großer Bruder Ulan, der in der Stadt Architektur studiert, auf Urlaub kommt, bringt er nicht nur Geschenke, sondern auch die neue Zeit mit.

Ein Film mit grandiosen Panoramen und voller Poesie.

Fotos: Neue Visionen Filmverleih, Berlin


 

Themen

andere Kulturen, Familie, Familien-, Geschwister- und Generationsbeziehungen, Heimat, Identität, Naturkreisläufe, Naturphilosophie, Nomaden, Schamanismus, Stadt/Land, Tradition/Moderne, Werte, Zukunftsperspektiven

 

Fächer

Deutsch, Geografie, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Sachunterricht

 

Kritikerstimmen

»Die schroff-schönen Landschaftsmotive, die musikalisch zumeist nur von einer sanften Flötenmelodie umspielt werden, werden zur Kulisse einer leisen Erzählung über Generationsprobleme und den sachten Widerstreit zwischen schamanisch geprägten Traditionen und den Verheißungen des modernen Lebens. Gänzlich ohne dramatische Zuspitzung zeichnet Mirlan Abdykalykov ... in seinem Regiedebüt ein naturverbundenes Leben im Zeichen alter Regeln und der von den Großeltern weitergegebenen Mythen.«
Ulf Lepelmeier filmstarts.de, Berlin

»Die Qualität von Abdykalykovs Film lässt sich am besten dadurch beschreiben, was er nicht tut: Er schwelgt nicht in atemberaubenden Aufnahmen der Landschaft, die auch nicht mit bombastischer Musik unterlegt sind. Er spielt nicht Tradition und Moderne gegeneinander aus, sondern deutet ganz behutsam die Schwierigkeit an, ein bestimmtes Leben zu führen, wenn erhebliche Teile des Landes in eine andere Richtung streben. Er verklärt nicht die Traditionen, sondern zeigt sie in fast dokumentarischen Momenten als das, was sie für viele Nomaden in Kirgistan schlicht und ergreifend noch sind: gewöhnlicher Alltag.« Michael Meyns, indiekino.de, Berlin

»Die Berglandschaft ist hier niemals nur majestätische Kulisse, vielmehr sind die Menschen Bestandteil eines größeren Zusammenhangs. Die Kargheit der Mittel – auch die Musik besteht fast ausschließlich aus dem einsamen Spiel einer Flöte – fügt sich immer wieder zu einer Poesie von ungewöhnlicher Klarheit und Ruhe. Und obwohl die Baumaschinen dann wiederum recht plakativ in diese Welt einfallen: Aus dem Widerstreit von Tradition und Moderne, dem naturgebundenen Leben und den Verheißungen des Urbanen macht Abdykalykov keine plumpe Verlustrechnung. Auch das Festhalten am Vertrauten hat hier einen hohen Preis.«
Patrick Seyboth, 
epd film, Frankfurt/Main

»In großartigen Landschafts- und Naturbildern geht es leise und ohne Polemik um das Ende einer alten Kultur, einem ländlichen Mikrokosmos, den der Regisseur bei seinen Großeltern in den Bergen selbst noch erlebt hat. Abdykalykov rührt dabei weder die laute Kriegstrommel zum Schutz bedrohter Völker, noch verfällt er in süßlichen Ethno-Kitsch. Sein Film stimmt vielmehr ein bedächtiges Lied des Übergangs an, indem er nachdenklich die Erosion traditioneller Lebensformen beschreibt, den Wandel der Zeiten und Menschen, die von der Natur leben und in höchstem Maße von ihr abhängig sind.« Wolfgang Hamdorf, film-dienst, Bonn

»In seinem Debütfilm zeigt der erst 33-jährige Regisseur Mirlan Abdykalykov die Ambivalenz von traditioneller und moderner Lebensweise, ohne zu idealisieren oder zu verteufeln. Nomadisches Leben wirkt für zivilisationsmüde Augen zwar faszinierend, aber es ist auch hart: Die Menschen leben ohne Privatsphäre auf engstem Raum zusammen. Sie verlieren nicht viele Worte, da sie ohnehin alles voneinander wissen; dafür sind Blicke und Gesten umso vielsagender.« Dörthe Gromes, kunst+film, Kassel

»Wie lässt sich die kulturelle Identität der Nomaden vor dem Verschwinden bewahren?, fragt Regisseur Abdykalykov mit seinem sehenswerten Film, dessen entspannter, undramatischer Bilderfluss sich dem ruhigen Lebensrhythmus seiner Protagonisten anvertraut. Als auch noch der Großvater stirbt und die Boten des modernen Lebens immer unmissverständlicher näher rücken, liegt es an den durch drei Generationen miteinander verbundenen Frauen, das Erbe zu bewahren.« Wolfgang Nierlin filmgazette.de, Bielefeld



zuletzt aktualisiert am 09.11.2017

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