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Der Himmel wird warten
Le ciel attendra

Frankreich 2016

 

 

Zwei Mädchen aus Marseille, Sonia und Mélanie. Jung, hübsch, klug, kurz vor dem Abitur. Mélanie ist in Maßen politisch interessiert und engagiert, sammelt Bleistifte für die Kinder in Burkina Faso. Daheim in ihrem Zimmer übt sie Cello. Völlig normal der Zwist mit ihrer Mutter, wie das halt so ist in diesem Alter. Nach dem Tod ihrer Oma aber verliert sie den Halt unter den Füßen. Die Emojis der Freunde spenden ihr nicht den rechten Trost. Einfühlsam und verständnisvoll dagegen die Worte eines »Prinzen«, die Mélanie auf ihrem Handy liest. Der Online-Kontakt mit dem »Freigeist« wird intensiver, vereinnahmender, total: Mélanie ist einem jener islamistischen Verführer ins Netz gegangen, die nicht das Blaue, sondern das Heilige vom Himmel versprechen. Innere und äußere Verwandlung vollziehen sich rasant: erst Kopftuch, dann Niqab, Gebete und Gebote, Verheißungen und Verbote. Die Burka kommt per Amazon, Mélanie geht als Märtyrerin nach Syrien. Dort hätte sich ihre Schicksalslinie mit Sonias kreuzen können. Aber während die eine vielleicht für immer an den IS verloren ist, unterzieht sich die andere der radikalen Entradikalisierung: gemeinsam mit den Eltern, mit gesellschaftlicher, therapeutischer Hilfe. Der Einstieg in die Welt extremistischen Wahns und religiöser Verblendung erfolgt in kürzester Zeit. Der Ausstieg dauert um vieles länger, ist schmerzhaft und anfällig für Rückschläge. Aber er ist möglich!

Eine fiktive Geschichte von höchster Authentizität. Ein Film, der das Herz berührt und unter die Haut geht. Aufrichtig, schonungslos, hoffnungsvoll.

Fotos: Neue Visionen Filmverleih, Berlin


Buchtipp
Åsne Seierstad. Zwei Schwestern
Aus dem Norwegischen von Nora Pröfrock
Verlag Kein & Aber, Zürich 2017, 
528 Seiten, Hardcover, 26,00 Euro. ISBN: 978-3-0369-5774-6 

»Ein großartiges Buch, das weit über das hinausreicht, was bisher über junge IS-Anhänger aus Europa zu lesen war.«
Karen Krüger, Frankfurter Allgemeine Zeitung
 




 

Themen

ethnische und kulturelle Diversität, Anerkennung, Aussteiger, Demokratie, Familie, Fanatismus, Frauenbild, Fundamentalismus, Glaubensbekenntnis, Identität, Identitätswechsel, Islam, Islamischer Staat (IS/Daesch), Islamismus, multikulturelle Gesellschaft, Propaganda, Radikalisierung, Re-Integration, Religion, soziale Netzwerke, Terrorismus, Toleranz, Vertrauen, Vorurteile, Werte, Zusammenhalt

 

Fächer

Deutsch, Französisch, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Politische Bildung, Psychologie, Sozialkunde

 

Kritikerstimmen

»Drehbeginn war zufällig wenige Stunden nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November 2015, wodurch das Projekt eine fast unerträgliche Brisanz bekam. Umso ergreifender ist es, wie ernsthaft und einfühlsam dieser Film die komplexen Zusammenhänge beleuchtet, die fragilen Gefühlswelten der Teenager auf der Suche nach Idealen und Utopien, die panischen Ängste der Eltern um ihre Kinder, aber auch die raffinierte Arbeitsweise der IS-Rekrutierung und die Mechanismen der sozialen Netzwerke, die sich die Islamisten zu Nutze machen.«
Anke Sterneborg, epd film, Frankfurt/Main

»›Der Himmel wird warten‹ ist besonders authentisch durch die dokumentarhaft angelegte Erzählstruktur und hat zugleich die emotionale Kraft eines Spielfilms. In teils beklemmenden, teils poetischen und manchmal sogar hoffnungsvollen Bildern erzählt er von der Macht der Indoktrinierung, aber auch von der Möglichkeit auf Veränderung.« Hannah Hanemann, AVIVA-BERLIN.de

»›Der Himmel wird warten‹ hätte gut und gern zwanzig Minuten länger sein dürfen, denn nicht alle Erzählansätze führt die französische Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar auch zu Ende. Trotzdem ist ihr Drama über die radikale Islamisierung zweier französischer Mädchen ein ebenso mitreißender wie niederschmetternder Film über ein wichtiges, brandaktuelles Thema, das nicht verallgemeinert und einen wichtigen, da aufklärerischen Wert leistet.« Antje Wessels, Wessels-Filmkritik.com, Hamburg

»Dem Film gelingt es, Fiktion mit dokumentarischen Elementen zu kombinieren. So spielt sich die Anthropologin, Autorin und Entradikalisierungs-Expertin Dounia Bouzar in ›Der Himmel wird warten‹ selbst. Sie zählt zu den Personen, die Eltern von betroffenen Jugendlichen in ihrer Notlage unterstützen und den Heranwachsenden dabei helfen, dem Fanatismus wieder zu entkommen. Es geht Mention-Schaar und ihrem Team nicht darum, Hass und Angst zu schüren; vielmehr soll Klarheit geschaffen werden – etwa über den Unterschied zwischen Islam und IS, zwischen Religion und Terror. Dieser didaktische Ansatz wird mit einem intelligenten Spiel mit den Zeitebenen sowie mit einer virtuosen Montage und Kameraführung verbunden.« 
Andreas Köhnemann spielfilm.de, Nierstein

»Die Regisseurin hat mit Betroffenen und Journalisten gesprochen, Propagandavideos gesichtet. Eine Syrien-Rückkehrerin, die den gesamten Horror durchlebte, hat beim Drehbuch geholfen und die jungen Schauspielerinnen beraten. Und Dounia Bouzar, die Gründerin einer Hilfseinrichtung für Opfer islamistischer Manipulation, spielt sich im Film selbst. Sehr real, fast dokumentarisch wirkt deshalb das fiktiv erzählte Grauen, das übers allgegenwärtige Netz leicht einsickern kann in den Alltag Jugendlicher, die immer schon empfänglich waren für abseitige Einflüsterungen. So kommt ›Der Himmel wird warten‹ einem Phänomen sehr nahe, das trotzdem schwer zu begreifen und noch schwerer zu ertragen bleibt.« Bernd Haasis, Stuttgarter Zeitung




zuletzt aktualisiert am 31.10.2017

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