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Nerve
Nerve

USA 2016

 

 

»Challenge« ist das Zauberwort: Sich was trauen, groß raus kommen, reich und berühmt werden. Mit »Nerve« könnte das klappen, das illegale Online-Game macht gerade New Yorker Highschool-Kids heiß. Für Venus eigentlich nicht so das Ding, aber warum soll immer nur ihre Freundin im Rampenlicht stehen? So wird Vee vom »Watcher« zum »Player« in einem Spiel, das absolut harmlos beginnt, doch von Runde zu Runde mit dem Preisgeld auch den Druck erhöht und schließlich jedes Maß verliert. Die »Watcher« wissen aus den sozialen Netzen alles über die »Player«. Aus totaler Transparenz erwächst totale Kontrolle und totale Vereinnahmung. Die »Challenges« werden zu Herausforderungen auf Leben und Tod – und zum zynischen Online-Spektakel: Für den Live-Stream ihrer Aktionen filmen die »Player sich selbst. Zum Aussteigen ist es längst zu spät, Rettung kann nur von denen kommen, die gar nicht eingestiegen sind.

Ein nervenaufreibender Mindgame-Thriller für wachsame »Watcher«.

Fotos: StudioCanal, Berlin


 

Themen

Außenseiter, Bewährungsproben, Computerspiel-Ästhetik, Cybercrime, Familien- und Cliquenbeziehungen, Freundschaft, Gruppendruck, Identität, Kommunikation, Literaturverfilmung, Macht, Manipulation, Online-Foren, Online-Games, Sozialprestige, Starruhm, Sucht, Verantwortung, Vertrauen

 

Fächer

Deutsch, Englisch, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»›Nerve‹ ist ein visuell peppiger, flotter ­Thriller, unterlegt mit wummernden Elektrobeats, überraschend frei von Zynismus und sogar mit Botschaft: Auch wenn du dich bei ›Nerve‹ nur als Watcher regis­trierst, bist du mitschuldig. Denn die ano­nymen Zuschauer machen das tödliche Spiel erst möglich. Ein fast rührendes Lehrstück über Verantwortung in der ­Internetcommunity.« Jörg Buttgereit, zitty, Berlin

»Ein äußerst unterhaltsamer Genrefilm für ein Publikum zwischen 14 und 25 Jahren, das mit der Game-Dramaturgie aufgewachsen ist und die ethischen Entscheidungsfragen zweifellos an sich selbst gerichtet verstehen wird. Zugleich ist der Film auch eine Metapher auf den Kapitalismus, der sich gegen seine Gesellschaft richtet: Es geht nur noch um Geschwindigkeit und Geld, um einen ersehnten Endorphinschub zu erleben.«
Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW), Wiesbaden

»Für den Moment mag ›Nerve‹ noch Zukunftsmusik sein, doch gerade dadurch, dass so viele Elemente des Films (und der Romanvorlage von Jeanne Ryan) die gegenwärtige Realität nur ein klein wenig übersteigern, macht diesen Teenie-Film zu so einer prägnanten Darstellung unserer Zeit und der zunehmenden Bedeutung des Daseins in virtuellen Welten.«
Michael Meyns, programmkino.de

»Ständig wechselt die Perspektive. Mal blickt man auf einen Bildschirm und verfolgt so das Geschehen. Mal blickt der Bildschirm eines Telefons zurück, während die Kamera Vees Mutproben für die Netz-Community dokumentiert. So ziehen die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman einen in diese atemlose Reise durch die Nacht hinein, bis man selbst zum Komplizen der unsichtbaren Watcher wird.«
Sascha Westphal, epd film, Frankfurt/Main

»Es braucht wohl einfach mehr Filme, mehr Bücher und mehr Forschung zu dem, wie die digitale Revolution unseren Alltag verändert hat, um dann auch differenzierter zeigen zu können, ob die App-Version von ›Wetten, dass …?‹ nur alter Inhalt im neuen Container ist oder doch neues Verhalten und neue Machtgefüge schafft. Gerade beginnt auch in Deutschland das Smartphone-Spiel Pokemon Go Wellen zu schlagen, ein eher harmloses Vergnügen, dass dennoch andeutet, was in Zukunft auf uns zukommen könnte. Denn die Obsession mit Onlinespielen, die Sucht nach Likes und Aufmerksamkeit beeinflusst immer stärker das Onlineverhalten, wie Henry Joost und Ariel Schulman in ihrem bemerkenswerten Teenie-Online-Thriller ›Nerve‹ zeigen.«

Barbara Schweizerhof, taz, Berlin

»Als Zuschauer verspürt man eine durchaus ambivalente und damit alarmierende Faszination für den Up-Tempo-Sound und den Glamour von Cyber- wie realer Welt in diesem schnellen, bunten Film. Wahrhaft erschütternd aber ist es zu sehen, wie viel Spaß es den Marionetten hier lange Zeit macht, gespielt zu werden. Alle sind sie Sklaven ihres Ratings durch andere, die sie oft genug nicht einmal kennen. Die Cyberwelt ist nicht nur im Game bittere Realität – auch im realen gesellschaftlichen Sinn ist sie es. Am Ende steht eine Utopie, die in der Realität ausgespielt hat.«
Anke Westphal, Berliner Zeitung

»Gleich zu Beginn taucht der Film tief in die Welt der gängigen Technikmarken und -Apps ab: Vee öffnet ihr Macbook, nutzt Chrome, um sich auf Facebook und Instagram einzuloggen, während ihre Spotifiy-Playlist lädt. Dann ruft Sydney via Skype an und die beiden chatten eine Runde. Mit dieser Eingangsequenz macht Nerve gleich zwei Sachen klar: Wer mit all dem Technikkram nichts anfangen kann, wird auch die nächsten anderthalb Stunden wenig Spaß haben. Alle anderen, meist jüngeren Zuschauer, sind dagegen sofort hineingezogen in das Leben von Vee, das in vielen Belangen dem heutiger Jugendlicher gleicht: Das Smartphone als Universal-Werkzeug, quasi der Schallschraubenzieher des digitalen Zeitalters.«
 Johannes Hahn, Robots & Dragons, Berlin

»Darüber hinaus lassen Henry Joost und Ariel Schulman den erhobenen Zeigefinger weitestgehend außen vor, indem sie auf die Anwesenheit von Erwachsenen verzichten und die Teenies ihre Erfahrungen selbst machen müssen. Auch die technische Umsetzung ist ganz dem heutigen Zeitgeist entsprechend. Wenn auch ein wenig aufdringlich, gefällt vor allem der Soundtrack als Ansammlung moderner Electro- und Technobeats sowie die äußerst kontrastreiche, in Neonfarben getränkte Bildsprache.«
Antje Wessels, Wessels-Filmkritik.com, Hamburg

»Bei der Umsetzung der digitalen Parts auf die Leinwand gelingt den Regisseuren Henry Joost und Ariel Schulman noch ein Kunststück: Sie verweben die digitale und die reale Welt über langen, glitzernden New-York-Totalen. Überhaupt nimmt die Stadt großartig am Spiel teil, nicht nur Manhattan, vor allem Staten Island – die Wohnblocks, die Fähre, die Referenzen an den Wu-Tang-Clan, ist alles da. Wurde auch mal Zeit für eine Liebesbezeugung an diese Nachbarschaft!«
Doris Kuhn, Süddeutsche Zeitung, München



zuletzt aktualisiert am 04.01.2017

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