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Der deutsche Freund

Deutschland/Argentinien 2012

 

 

»Rattenlinie«, so hieß im Spionage-Slang die Fluchtroute hoher Nazis, die nach dem Kriege das Weite suchten und sich in Deutschland ihrer Verantwortung entzogen. Viele von ihnen tauchten in Südamerika unter. Hier konnten sie auf jene treffen, die sie noch kurz zuvor, im Holocaust, für immer zu vernichten gedachten. So wohnen auch die Familien Burg und Löwenstein gewissermaßen Tür an Tür. Anfang der 1950er Jahre, in einer noblen Gegend von Buenos Aires. Die Nachbarskinder Sulamit und Friedrich sind sich von kleinauf zugetan, aber zwischen den Elternhäusern gibt es keinerlei Kontakt. Als das Mädchen ihren deutschen Freund mal daheim besucht, deutet ein Brotkorb mit Hakenkreuz auf Spuren der Vergangenheit. Die Kinder wachsen heran, die Freundschaft dauert und wird zur Liebe. Nachdem aber Friedrich zufällig herausgefunden hat, dass sein Vater ein SS-Offizier war, zieht es ihn ins Land der Täter. Scham- und schuldbeladen will er – wie andere Söhne und Töchter dieser Generation – ans Licht bringen, was Väter und Mütter verschweigen. Kampfbereit wechselt Friedrich wieder den Kontinent, als in Argentinien ein faschistischer General die Macht ergreift. Sulamit bleibt in Deutschland, sucht und findet das private Glück. Friedrichs Guerilla-Mission endet in Patagonien, in einem Hochsicherheitsgefängnis der Militärdiktatur. Glaube, Leben, Hoffnung scheinen dahin. Getrieben und besessen von revolutionärem Pathos, wollte Friedrich den Gefühlen keinen Raum geben. Nun sind es Sulamits Gefühle, die ihn retten werden. Siempre estarán juntos – für immer zusammen sein!

Die Geschichte einer großen Liebe in einem Länder und Zeiten überspannenden Geschichtspanorama.

Fotos: © Neue Visionen Filmverleih

 

Themen

(deutsche) Geschichte, Argentinien, Demokratie, Emigranten, Erinnerungskultur, Erwachsenwerden, Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Heimat, Holocaust, Ideale, Idealismus und Utopien, Identität, Kommunikation, Konformismus und Widerstand, Liebe, Nationalsozialismus, Schuld und Sühne, Vater-Sohn-Beziehung, Vergangenheitsbewältigung, Werte, Wiedergutmachung, Zeitgeschichte

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Spanisch

 

Kritikerstimmen

»Meerapfel erzählt die fiktive Geschichte aus weiblichen Blickwinkel, lässt ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen einfließen, aus dem südamerikanischen Land mit Verschleppung, Folter und Tod wie aus Deutschland der 68er Jahre mit jungen Männern, die nicht nur gegen das Establishment aufstanden, sondern eigentlich gegen ihre Nazi-Väter und oft sehr lange brauchten, um sich selbst lieben zu können und damit auch andere -Vorbilder für das Liebespaar (Celeste Cid, Max Riemelt), das sich erst nach vielen Wirren sehr spät im fernen Patagonien findet. Authentizität und dichte Atmosphäre bestimmen das Drama, das ein Stück Zeitgeschichte widerspiegelt. Nicht spektakulär und in lauten Tönen wie ›Der Baader-Meinhof-Komplex‹, sondern in leisen Zwischentönen, die dafür um so intensiver nachklingen.«
Margret Köhler, Bayerischer Rundfunk

»Wäre diese außergewöhnliche Liebesgeschichte nicht schon Stoff genug für einen sehr emotionalen Film, so spannt sich der filmische Bogen noch weiter auf: Der zeitgeschichtliche Hintergrund mit der Peron-Ära, mit antisemitischen Übergriffen und mit den Morden und Verschleppungen während der Militärdiktatur in Argentinien. Dann die Zeit der Studentenbewegungen mit Demonstrationen und Protesten in Deutschland, auch unterlegt mit dokumentarischem Archivmaterial. Holocaust und Nazidiktatur werden nur andeutungsweise thematisiert, sind aber der Ausgangspunkt für die schicksalhaften Verstrickungen.« 
Deutsche Film- und Medienbewerung (FBW), Wiesbaden

»Gewiss ein politischer Film, aber keiner, der Dogmen oder Schlagworte vor sich her trägt. Jeanine Meerapfel lässt Raum für Widersprüche und unterschiedliche Sichtweisen. Sie lenkt den Blick auf vielsagende Details, nimmt sich Zeit für Stimmungen und lässt die Kamera auf neugierige, abtastende Erkundungsreisen gehen. Ihr genügt zum Beispiel eine einzelne Einstellung, um den Charakter der argentinischen Diktatur sinnlich erfahrbar zu machen […] Mehr noch als das Politische kommt das Private zu seinem Recht. Und so bildet die Machart des Films – der weiche, behutsame, gefühlvolle Blick – den gelungenen Kontrapunkt zu Friedrichs politischer Verhärtung. So wird früh spürbar, dass dies ein großartiger Liebesfilm werden wird. Und zwar deshalb, weil er nicht nur von der Liebe handelt.
Peter Gutting, kino-zeit.de

»Eine häufige Methode: privates Schicksal vor politischem Hintergrund ablaufen zu lassen. Jeanine Meerapfel ist eine in Argentinien aufgewachsene deutsche Jüdin, sie weiß also, wovon sie in ihrem Film spricht. Vieles im ›deutschen Freund‹ ist autobiographisch […]
Insgesamt eine filmisch gut gegliederte, souverän gespielte (Celeste Cid als Sulamit und Max Riemelt als Friedrich wirklich prima), politisch und gesellschaftlich beachtenswerte Sache.« Thomas Engel, programmkino.de

»Zwei Liebende möchten die lästigen historischen Rollen abstreifen, um den Rest von der Zeit heilen zu lassen und um sich in einer Privatsphäre außerhalb der Geschichte und des Politischen endlich zu vereinen […] Und wenn sich die beiden am Ende wiedertreffen, dann sicher nicht, um gemeinsam ihren Lebensabend zu verbringen.«
Philipp Stadelmaier, Süddeutsche Zeitung, München




zuletzt aktualisiert am 01.09.2016

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