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Giraffada
Giraffada

Palästina/Frankreich/Italien/Deutschland 2013

 

 

Kalkilia, eine Stadt im Westjordanland, im Jahre 2002. Direkt an der Grenze zu Israel gelegen, ist die Heimat der hier wohnenden, rund 40.000 Palästinenser um- und eingeschlossen von einem acht Meter hohen Bollwerk aus Beton.

Der Film erzählt – aus der Sicht eines zehnjährigen Jungen – eine wahre und zugleich völlig unmögliche Geschichte vom Leben in dieser Stadt zu jener Zeit. Ziad ist der Sohn eines – ihn allein erziehenden – Tierarztes, der sich im Zoo von Kalkilia, dem einzigen im Westjordanland, unter schwierigsten Umständen um den Erhalt der Anlage und das Wohl der Tiere kümmert. Dass in unfriedlichen Zeiten auch ein Zoo keine friedliche Oase sein kann, sieht und hört der Junge von Tag zu Tag immer deutlicher. Am schmerzlichsten erlebt er die bedrückende Situation des Ausnahmezustands, als der – durch Gewehrfeuer, Gedröhn und Tumult – in Panik geratene Giraffenbulle sich verletzt und kurz darauf stirbt. Nach Brownies Ableben verweigert die allein zurückgebliebene, hochschwangere Giraffenmutter die Nahrungsaufnahme. Vom Tod bewahrt werden kann Rita mitsamt dem ungeborenen Jungen wohl nur, wenn sie so schnell wie möglich wieder einen Gefährten bekommt.

Ziad setzt all seine Hoffnungen auf Gott, ein Wunder und letztlich den Vater: Ritas neuer Partner kann nur von jenseits der Grenze kommen, aus dem Tierpark von Tel Aviv. Dort arbeitet ein früherer Studienfreund des Vaters, doch ob der sich auf das aberwitzige Abenteuer einer Giraffen-Entführung, noch dazu in Feindesland einlässt? Gemeinsam mit einer französischen Foto-Reporterin begeben sich Vater und Sohn auf gefährliche Mission und wagen den Widerstand gegen jede Realität.


 

Themen

Außenseiter, Familien- und Generationsbeziehungen, Flucht/Vertreibung, Gewalt, Heimat, Krieg, Kriegsfolgen, Nahostkonflikt, Palästina, Tierliebe, Vater-Sohn-Beziehung, Wahrheit, Werte, Zoologische Gärten

 

Fächer

Darstellen und Gestalten, Deutsch, fächerübergreifend, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Keine spektakulären Bilder, keine dramatische Story mit tausend Wendungen, kein Soundtrack, der einen aus dem Sessel hebt: Nein, ›Giraffada‹ ist ein Film, in dem der Alltag an sich schon so dramatisch ist, dass er keine erfundene Story braucht, um ihn sehenswert zu machen. Die vorgefundenen realen Kulissen generieren Bilder, die man nicht vergisst und das Ende ist alles andere als ein wirkliches Happy End. Denn hier, im palästinensisch-israelischen Konflikt kann es kein Happy End geben.« 
Katrin Hoffmann, epd film, Frankfurt/Main

»›Giraffada‹ geht auf politische und religiöse Hintergründe des Konflikts nicht ein und zeigt auch keine unmittelbaren Kampfhandlungen oder Gewaltexzesse. Vielmehr ist der Film von einer märchenhaften Zuversicht getragen, in der alles, was Gott schuf, einen Sinn hat, und in der das Leben ›heiliger und wichtiger als jedes Versprechen ist‹, wie Ziad von einem alten Freund des Vaters erfährt, bei dem er in der Nacht Unterschlupf gefunden hat. Ein unbeschwertes Happy End kann es zwar nicht geben, das wäre verlogen, aber der Film stimmt hoffnungsvoll und vermittelt auch Kindern, dass ziviler Ungehorsam sinnvoll sein kann.« 
Holger Twele, film-dienst, Bonn

»Diese komplexe Thematik mutet fast zu viel für einen Film an, der mit seiner einfachen Geschichte deutlich an ein junges Publikum gerichtet ist. Bilder von gewaltsamen Auseinandersetzungen zeigt Massalha zwar nicht, etwas Vorwissen über die Hintergründe des  Nahost-Konflikts helfen aber beim Verständnis der Geschichte. Diese entwickelt in der zweiten Hälfte einige Spannung und spitzt sich zu einem fast surrealen Finale zu, in der die Giraffen zwischen die Fronten der Auseinandersetzungen geraten. Wie es Massalha hier gelingt, die Ebenen von Kinder/Jugendfilm und surreal angehauchtem Drama zusammenzubringen, ist bemerkenswert und macht aus ›Giraffada‹ einen einfachen, aber doch tiefsinnigen Film über ein Leben in ständiger Krise.« 
Michael Meyns, programmkino.de

»Einmal heißt es: ›Gott schuf die Giraffe aus einem Kamel und einem Leoparden.‹ Das Märchen mit Huftier, das sich hieraus entwickelt, ist an vielen Stellen eher ein ziemlich realistisches Drama, voll Trauer über die Situation im Westjordanland und kritisch gegenüber der israelischen Besatzungsmacht. Insofern nicht nur für Kinder spannend und interessant. 
Hans Gerhold, Westfälische Nachrichten, Münster

»Angesichts dieser stark zeichenhaften Geschichte gelingt es Rani Massalha nicht immer,  die konkreten Probleme in der Region auch gut damit zu vermitteln – er überlässt sich manchmal eher einem träumerischen Surrealismus, der gut zu diesen erstaunlichen Tieren passt. Ein Film auf Grundlage realer Ereignisse, aber bestimmt von einem Geist kindlicher Utopie.«
Bert Rebhandl, tip (Stadtmagazin), Berlin

»Massalhas Drama vom Nahostkonflikt zeigt die alltäglichen Diskriminierungen durch das Militär und das anstrengende Leben der Palästinenser. Das langsame Tempo mit vielen totalen Kameraeinstellungen gibt dem Film eine für junge Zuschauer gut verständliche Note. Das Gemächliche mildert allerdings den tiefen Hass zwischen den verfeindeten Völkern ab.« 
Markus Raska, zitty (Stadtmagazin), Berlin

»Rani Massallah, dem französischen Regisseur mit ägyptisch-palästinensischen Wurzeln, gelingt mit ›Giraffada‹ ein modernes Märchen zwischen Mauern und Checkpoints. Ein berührender Film, der zumindest teilweise auf wahren Begebenheiten beruht.« 
Noemi Schneider, Deutschlandradio Kultur, Berlin



zuletzt aktualisiert am 14.10.2015

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