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Work Hard – Play Hard

Deutschland 2011

 

 

»Probleme sind Herausforderungen und kein Grund zum Jammern.« Eins von zehn Geboten im Teamkodex und dazu noch sechs Merkmale guten Führungsstils: reflektiv, emphatisch, wertschätzend, alert, rational und direkt – was sich abgekürzt als REWARD zumindest gut merken lässt. Die schöne neue Arbeitswelt bedarf auch einer schönen neuen Sprache: für die Funktion der Gebäude und die Führung der hier Beschäftigten. Nüchtern und scheinbar objektiv beobachtend, leistet dieser Film krasse Aufklärungsarbeit. Er macht sicht- und hörbar, was das ›Human Resource Management‹ leisten soll und welcher Worte es sich bedient: Wie stelle ich mich in die Schuhe des anderen, um ihn abzuholen? Wie gelingt es, den kulturellen Wandel wirklich nachhaltig in die DNA jedes einzelnen Mitarbeiters zu verpflanzen? Was ist zu tun, um Menschen in transparenten, vitalisierenden Erlebniswelten voll in den ›Flow‹ zu bringen – mit verinnerlichter Mega-Wachstumsmentalität.  

Der Film kommt ohne Kommentar aus – und sagt doch alles, was auf der Agenda der Arbeit steht.

Fotos: Film Kino Text, Bonn


 

Themen

Arbeit, Dokumentarfilm, Gruppendruck, Human Capital Management, Identität, Kapitalismus, Kommunikation, Managerjargon, Manipulation, mentale Versklavung, Motivationstraining, Ökonomie, Rationalisierung, Selbstoptimierung, Selbstverwirklichung, Sprache, Stärken/Schwächen, Werte

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Philosophie, Psychologie, Wirtschaft-Arbeit-Technik

 

Kritikerstimmen

»Losmann und ihr Kameramann Dirk Lütter sind bereit, sich auf Augenhöhe mit ihrem Gegenstand zu messen. Sie haben im Breitwandformat gedreht, beklemmende Totalen leerer Büroräume, Eingangshallen und grauer Flure. Dazu aufwändige, elegante Fahrten, wie man sie im Dokumentarfilm nicht oft sieht, weil dann jede, auch die nur scheinbare Spontanität vor der Kamera verlorengeht. Aber einen solchen Eindruck will der Film erst gar nicht wecken, er will künstlich aussehen und den Zuschauer auf Distanz halten, damit er besser denken kann. Einen gesprochenen Kommentar gibt es nicht – die Ästhetik der Macht wird von Losmann und Lütter vor allem mit ästhetischen Mitteln analysiert, das gelingt nicht vielen Dokumentarfilmen, die meisten versuchen es gar nicht erst.« Martina Knoben, Süddeutsche Zeitung, München

»Kreativität scheint es nur im Erdenken immer neuer Euphemismen der mentalen Versklavung zu geben. Hat ein Angestellter keinen festen Arbeitsplatz mehr und darf er keine persönlichen Gegenstände im Büro verwahren, nennt man das bei der Unternehmensberatung Accenture ›nonterritoriales Arbeitsplatzkonzept‹, lernt der Zuschauer. Anzeichen menschlichen Lebens gibt es kaum in diesem Film. Hier und da meint man Ratlosigkeit in den Gesichtern zu entdecken, etwa als Mitarbeitern der Deutschen Post gesagt wird, sie müssten sich jetzt als Team fühlen und ein ›gemeinschaftliches Performanceboard‹ pflegen […] Losmann hat mit klugem, nüchternem Blick einen Gruselfilm erster Güte geschaffen.« Meike Fries, Die Zeit, Hamburg

»Der Horror in ›Work Hard, Play Hard‹ ist nichts anderes als der Schrecken, der einen beschleicht, wenn man Zeuge einer Gehirnwäsche wird. So stellt man sich Scientology-Seminare vor. Zunächst scheint der Prediger völligen Humbug zu reden, aber irgendwann beginnen die Gepredigten, seine Phrasen aufzugreifen und sie, unbeholfen noch, selbst zu verwenden – ob aus fortgeschrittener Gehirnerweichung oder aus kalkuliertem Opportunismus, sei dahin gestellt […] P.S: Die Aufnahmen entstanden mit Einwilligung der Firmen, denn die halten alles für völlig normal. Dies verschärft den Horror noch um ein paar Grade.« Hanns-Georg Rodek, Die Welt, Berlin

»Mit seinem ruhigen, zurückhaltenden Stil, der erkennbar durch die Arbeiten Harun Farockis beeinflusst ist, gelingt dem Film eine beunruhigende Bestandsaufnahme des ›Kapitalismus als Religion‹, wie Walter Benjamin das einst nannte. Losmann verzichtet auf jeden Kommentar – das erledigen schon die von ihr Porträtierten selbst, wie jene Analystin, die sich nicht in die Kamera zu sagen scheut, sie wolle die Vorgaben ›nachhaltig in die DNA jedes Mitarbeiters einpflanzen‹. So ist das Fazit offenkundig: Hinter dem freundlich-soften Gesicht der Turbo-Ökonomie mit ihrem Optimierungsglauben und Effizienzwahn lauert die Härte eines neuen Totalitarismus: Carmen Losmanns abgründige Innenansichten zeigen, wie die Betriebswirtschaft unser Leben zerstört und am Ende vielleicht auch den klassischen Kapitalismus.« 
Rüdiger Suchsland, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Man fragt sich, wie Carmen Losmann all diese Jünger der ständigen Verbesserung dazu gebracht hat, sich so freimütig zu äußern. Merken sie nichts von der Menschenverachtung, die ihrem geschlossenen System eigen ist? Man höre auf, sich zu wundern. Diese ›Leader‹ sind als Speerspitze des ›Change‹ eins mit ihrem Tun. Mit ›Work Hard, Play Hard‹ zeichnet die Jury einen überaus erhellenden Film aus.« Jurybegründung, Grimme Preis 2014



zuletzt aktualisiert am 12.01.2018

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