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The Circle

USA/Vereinigte Arabische Emirate 2016

 

 

»Es geht hier nicht nur um Arbeit, sondern auch um das Gemeinschaftsgefühl.« Mae Holland ist neu beim »Circle« und muss die Firmenphilosophie noch verinnerlichen. Architektur und Struktur des Unternehmens offenbaren: Transparenz ist hier der höchste Wert. Egoismus, Geheimnisse, Privates sind Relikte der Vergangenheit. Absolute Öffentlichkeit und totale Vernetzung sind die Gebote der Gegenwart für die schöne neue Welt von morgen. Hunger besiegen, Krankheiten heilen, Verbrechen verhindern: Hehre Ziele, die der charismatische Circle-Boss seiner Gemeinde predigt. Mae lässt sich begeistern und steigt zur Circle-Ikone auf. Sie wird zum Star eines Experiments permanenter persönlicher Beobachtung. Eine App, die Leute aufspüren kann, führt zum millionenfach live miterlebten Tod ihres Freundes. Mae entlarvt zwar die Absichten der Circle-Chefs, ihr Denken aber verändert das nicht: noch mehr Transparenz ist nötig!

Keine Science Fiction, sondern Fragen für hier und heute!

Fotos: Universum Film, München


Das Buch zum Film
Dave Eggers. Der Circle. Roman. 
Aus dem amerikanischen Englisch 
von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014. 
560 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag,
22,99 Euro – ISBN: 978-3-462-04675-5


 

Themen

Datenschutz, Datenüberwachung, Demokratie, Firmenphilosophie, Freiheit, Gewissenskonflikt, Gruppendruck, Identität, Internet, Kommunikation, Literaturverfilmung, Macht- und Sozialstrukturen, Machtmissbrauch, Manipulation, soziale Netzwerke, Sozialprestige, Totalitarismus, Überwachung, Verantwortung, Vertrauen, Werte

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Politische Bildung, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»In Literatur und Film ist das Thema nicht neu, eher schon ein bisschen zu viel abgearbeitet. Besonders die Vision eines dadurch begünstigten Überwachungsstaats faschistischer Ausprägung hat auch in Hollywood immer wieder ihren Reiz ausgeübt. In Dave Eggers’ 2013 erschienenem Roman und in dem darauf beruhenden Film von James Ponsoldt ist das vor allem durch George Orwell in seinem Roman ›1984‹ entworfene Bild einer entmündigten Gesellschaft nun dem Modell einer freiwilligen totalen Transparenz gewichen, die in der kompletten Konnektivität des ›Ich‹ mit dem ›Wir‹ die Erfüllung des Lebens sieht. Oder so präsentieren die verführerischen Organisatoren eines unverwechselbar im Silicon Valley beheimateten Unternehmens ihre Ideologie. Sie haben selbstherrlich die Opferung der Privatsphäre zugunsten eines von ihnen gepredigten Gemeinwohls auf ihre Fahne geschrieben und finden millionenfachen Zulauf einer Generation, die längst der Entäußerung alles Individuellen zugestimmt hat.« 
Franz Everschor, film-dienst, Bonn

»Die Kritik am digitalen Turbokapitalismus kramt gerne die Verteufelung der bösen Konzerne aus der Mottenkiste. Dabei werden ihre zufriedenen Nutzer als Sklaven ihres eigenen Narzissmus zunehmend blind dafür, wie politisch jedes online gestellte Foto, jeder post und jeder like eigentlich ist. Vor lauter Klicktrieb ignorieren sie, wie sie zu gewinnbringenden Datenlieferanten für Marketing-Strategien werden. Dagegen zeigt dieser Film deutlich die Widersprüche zwischen blumigen Glücksverheißungen aus dem Silicon Valley und ihren sozialen Auswirkungen. Als vorsichtige Warnung: Er öffnet den Blick für eine Gegenwart, der Unheil bevorsteht.« Philipp Rhensius, kunst+film, Kassel

»›The Circle‹ ist weniger Thriller, als der Trailer vermuten lässt. Vielmehr liefert der Film eine sehr hellsichtige Vision einer fast schon gegenwärtigen Zukunft, in der es nicht so sehr die Maschinen als die von Infotech-Unternehmen geschaffenen Strukturen sind, die die Macht übernehmen. Eine Zukunft, die so bunt und freundlich auftritt wie einer der Wahlsprüche des Circles: ›Sharing is Caring‹.« Hendrike Bake, indiekino, Berlin

»›The Circle‹ warnt vor dem, was kommen mag. Erschreckend ist er aber vor allem deswegen, weil er zeigt, wie die Menschen diesen gesellschaftlichen Wandel mit offenen Armen begrüßen, ohne sich bewusst zu werden, dass George Orwells Roman ›1984‹ dagegen nur geradezu lachhaftes Kasperle-Theater ist. Der Big Brother ist längst da, und er ist nicht nur allwissend und allsehend, sondern auch subtiler, als es jedes totalitäre Regime je sein könnte. Der Circle wird in die Nähe einer Sekte gerückt, Hanks‘ Figur ist dabei eine Mischung aus Steve Jobs und Mark Zuckerberg, während der Circle-Campus nicht von ungefähr an den Apple-Park erinnert. Der Film zeichnet das Bild einer düsteren Zukunft. Einer, die nicht mehr weit entfernt ist. Was er über Privatsphäre und Transparenz zu sagen hat, ist der Stoff großer Diskussionen. Verändern wird aber auch dieser Film nichts. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Realität ihn in ein paar Jahren nicht überholt hat.« Peter Osteried, kritiken.de, Herford

»Denn indem Ponsoldt die nur allzu bekannten und schon fast in unserer Realität imple­men­tieren Straft­rechts­fragen eines ›Minority Report‹ hinter sich lässt und zu fragen beginnt, ob Demo­kratie nicht ein Gut ist, das besser beschützt werden muss als es durch ›frei­wil­lige‹ Wahlen möglich ist, wird ›The Circle‹ innovativ, böse und spannend. Plötzlich gewinnt auch der charis­ma­ti­sche Eamon Bailey (Tom Hanks) eine Ambi­va­lenz, die ihm bis dahin abging und Mae bekommt ein Ende, dass es so im Buch ebenfalls nicht gibt und einmal mehr die Frage in den Raum gestellt wird, wie viel Freiheit Menschen überhaupt zu ertragen fähig sind. Eine durchaus gefähr­liche Dispo­si­tion, denn nur allzu leicht verführt diese Frage zur nächsten, finalen Frage: wie viel Freiheit verdient der Mensch überhaupt?« Axel Timo Purr, artechock.de, München

»Das Ende des Filmes ist fast klüger als das des Buchs, weil es in der Schwebe bleibt, wie gruselig die Welt ist, die Mae geschaffen hat. Ob sie sich gegen ihre Chefs wendet, um die Technik wieder unter Kontrolle zu bringen, oder ob sie sich nur selbst zum Guru der paternalistischen Transparenz aufschwingt, man erfährt es nicht. Man könnte das offene Ende des Films natürlich auch so verstehen, dass eine ›faire‹ Transparenz, also eine, die für alle gilt und keine mächtigen Milliardäre als Herrscher über die Daten zulässt, ernsthaft eine Option wäre. Dann würde der Film praktisch die Ideologie des Silicon Valley übernehmen, dass alle Probleme technisch gelöst werden können.« Juliane Liebert, Süddeutsche Zeitung, München

»Als sie von durchgeknallten Circle-Kunden zum Verrat an Mercer und dessen Idealen genötigt wird, scheint Mae der Irrsinn der von ihrer Firma verordneten Weltbeglückung bewusst zu werden. Sie erleidet einen Zusammenbruch. In der Schlusspointe des Films zieht sie daraus eine andere Konsequenz als im Buch - die einzige Überraschung eines Films, dessen Regisseur die Haupttugend seiner Heldin ernst nimmt: Der Film ›The Circle‹ ist ganz bestimmt klug, oft amüsant, ein bisschen hölzern, vor allem aber - die streberhafteste Literaturverfilmung seit langem.«
Wolfgang Höbel, Der Spiegel, Hamburg





zuletzt aktualisiert am 12.01.2018

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