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Moonlight

USA 2016

 

 

»An einem bestimmten Punkt musst du dich entscheiden, wer du sein willst.« Der 7-jährige Chiron ist irgendwie anders, »echt komisch«, wie Kevin findet. Der Junge lebt in einem Viertel Miamis, wo die Freiheiten begrenzt sind. Die Mutter ist drogensüchtig, der Vater fehlt. Ein Glücksfall, dass Chiron auf Juan trifft. Der nimmt sich des verschüchterten, schweigsamen Kleinen an, könnte zum wunderbaren Ersatzvater werden. Doch Juan ist Dealer, Chirons Mutter eine Kundin. Der nächste Riss in Chirons Leben, die nächste Enttäuschung, zugleich eine Lehre mit Langzeitwirkung. Mit 17, im zweiten Kapitel der Entwicklungsgeschichte, ist er noch immer ein Außenseiter – und Kevin schlägt den schwulen Freund vor allen anderen zusammen. Weitere zehn Jahre später hat sich Chiron entschieden, ist Juans Kopie, ein Drogendealer wie aus einem Hip-Hop-Song, geworden. Dann kommt ein Anruf von Kevin.

»Im Mondlicht sehen schwarze Jungs blau aus«: Alles andere als der Oscar wäre zu wenig gewesen!

Fotos: dcm Filmdistribution, Berlin


 

Themen

Andersartigkeit, Außenseiter, Ausgrenzung, Diskriminierung, Drogen, Erwachsenwerden, Familie, Filmsprache, Freundschaft, Geschlechterrollen, Gewalt, Heimat, Homosexualität, Identität, Kindheit, Liebe, Männlichkeit, Mobbing, Rassismus, Rollenbilder, Statussymbole, Toleranz, Vergebung, Vorbilder, Vorurteile, Werte

 

Fächer

Deutsch, Englisch, Kunst, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»Das vor allem macht ›Moonlight‹ zu einem so herausragenden Film: dass er uns eine Welt und die Menschen in ihr zeigt, die wir so im Kino noch nicht gesehen haben. Eine Welt, in der Geschichten stattfinden, die wir bisher kaum gehört haben und die trotzdem von etwas erzählen, das uns nah ist in seinem Schmerz, dem Sehnen, der Kindheit und all diesen Dingen, von denen es heißt, sie seien universell. Und von denen dann im amerikanischen Kino meistens so erzählt wird, als stießen sie nur heterosexuellen Weißen zu. In ›Moonlight‹ gibt es keine Weißen.« 
Verena Lueken, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Regisseur Barry Jenkins ist wie sein Autor Tarell Alvin McCraney, auf dessen Theaterstück der Film basiert, in Miami geboren. Man merkt ›Moonlight‹ das Gefühl für die südliche Szenerie an – doch so, wie sich die politischen Missstände im schwarzen Amerika oft dann am deutlichsten bemerkbar machen, wenn der Film über die Zeit springt und vieles auslässt, so wirken die konkreten Orte manchmal wie entrückt: Wände ­haben starke Farben, eine gewöhnliche Küchennische nimmt eine fast magische Kraft an. Barry Jenkins erreicht diesen Effekt durch gezielte Überhöhungen, die stets im Dienst der Emotionalität stehen.« 
Pascal Blum, 
Tages-Anzeiger, Bern 

»Jenkins wirft einfach einen Blick auf ein, zwei, drei, vier Personen, die allesamt komplementär wirkende Charakterzüge haben ... und lässt es so wirken, als entwickeln sich diese Einblicke in die menschliche Seele wie von selbst. Und wenn man dabei mal darüber nachdenkt, wie stumpf, uninspiriert und geradlinig die allermeisten Filmfiguren sind (selbst, wenn es mal eine schillernde Charakterstudie gibt, sind die Menschen drumherum oft nur dramaturgisches Füllmaterial), dann bekommt man einen Einblick, wie toll dieser Film eigentlich ist.« Thomas Vorwerk, satt.org, Berlin

»Um diesen komplexen Kontrast zu vers­tärken und gleich­zeitig eine poetische Wucht zu erzeugen, lässt sich ›Moonlight‹ nicht einmal in Ansätzen auf den in ameri­ka­ni­schen Inde­pen­dent-Produk­tionen oft benutzten realis­ti­schen Doku-Style ein, sondern verleiht dem Film statt­dessen ein traumähn­li­ches Farben­spek­trum. Die Drei­tei­lig­keit der erzählten Geschichte verstärkt diesen künst­le­ri­schen Ansatz noch einmal. Ähnlich den drei­tei­ligen Altar­auf­sätzen des Mittel­al­ters, der Tripty­chon-Malerei der Klassik, aber auch des bei Max Beckmann immer wieder auftau­chenden Tripty­chons, gibt Jenkins jedem Teil seine eigene Farbe, kann jeder Teil für sich stehen und ergibt im Ganzen eine neuen Einheit und Aussage.«
Axel Timo Purr, artechock.de, München

»Denn die zweite Regie-Arbeit des schwarzen Filmemachers Barry Jenkins ist nicht nur der auch formal und ästhetisch mit Abstand beste Film des Jahres; ganz im Sinne Baldwins zwingt er den Zuschauer, sich mit Einzelschicksalen und persönlichen Dramen zu beschäftigen, nicht mit Projektionen und Klischees. Wobei ›zwingen‹ hier das falsche Wort ist. Denn ›Moonlight‹ mag viele Attribute eines Sozialdramas in sich tragen, findet seine Relevanz und Authentizität jedoch nicht mit den gängigen Stilmitteln dieses Genres - Wackelkamera, Tristesse und Drastik. Stattdessen entfaltet er mit den sinnlichen, poetischen und kunstvoll arrangierten Bildern und Farben, für die Jenkins' Kameramann James Laxton eine Oscarnominierung erhielt, einen suggestiven, mitreißenden Flow unmittelbarer Erfahrbarkeit.« 
Andreas Borcholte, Der Spiegel, Hamburg    

»Obwohl die drei Schauspieler, die Chiron verkörpern ... nicht nur im Alter sehr verschieden sind, sondern auch in der Gestalt, gelingt es ihnen auf großartige Weise, einen gemeinsamen Charakter auf der Leinwand zu kreieren. Dem Wie-gelähmt-Sein in einer Welt, die aus Widrigkeiten zu bestehen scheint, der Unfähigkeit und Unlust, sich zu äußern über die eigenen Gefühle, dem Gepanzertsein, das im Übergang vom Kind zum Jugendlichen zum jungen Mann mehr und mehr zunimmt, verleihen alle drei in eigenen Nuancen Ausdruck. An der Oberfläche mag ›Moonlight‹ wie ein Film ohne echte Handlung erscheinen. Darunter aber brodelt es nur so vor Gefühl. Diese Emotionalität ist es, die jede Diskussion um den besseren oder den besten Film obsolet erschienen lässt. ›Moonlight‹ ist einfach ein Erlebnis.« Barbara Schweizerhof, taz, Berlin 

»In Jenkins' Film haben die schwarzen Körper das Licht eher in sich aufgesaugt, um blau zu schimmern, von innen heraus. Nicht in ihrem äußeren Glanz, sondern in ihrer Intimität. Nicht gnadenlos ausgeleuchtet, sondern unterstützt und sanft auf die Leinwand getragen, als würden sie auf dem Meer treiben. ›La La Land‹ ist gewiss ein Meisterwerk, gemacht mit enormer Virtuosität und Perfektion. ›Moonlight‹ ist kein Meisterwerk nach weißen Maßstäben. Er ist viel mehr als das: ein Film, der die Helligkeitsverhältnisse selbst verändert, in denen jemand als ›Meister‹ erscheint. Und der damit die Mitte der Welt und des Kinos neu bestimmt.« 
Philipp Stadelmaier, Süddeutsche Zeitung, München

»Denn letztlich erzählt ›Moonlight‹ die Geschichte von einem, der sich selber beinahe auslöscht, am Ende aber ein Angebot erhält: das Angebot, sich nicht mehr an die erdrückenden Spielregeln des Umfelds halten zu müssen. Dass der Film bei den Golden Globes und bei den Oscars als bestes Filmdrama ausgezeichnet wurde, wird ihm zu einem grossen Publikum verhelfen. An manchen wird ›Moonlight‹ vorbeiziehen, ohne tiefe Eindrücke zu hinterlassen; das ist in Ordnung so. Diejenigen, die sich in Chiron wiedererkennen, werden ihn ein Leben lang nicht vergessen. Für sie ist er gemacht.« 
Philipp Brunner, film bulletin, Zürich



zuletzt aktualisiert am 09.11.2017

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