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Ein Sack voll Murmeln
Un sac de billes

Frankreich/Kanada/Tschechien 2017

 

 

»Es ist besser, eine Ohrfeige zu ertragen, als das Leben zu verlieren, nur weil man Angst vor der nächsten hat.« Am Abendbrottisch schlägt der Vater plötzlich zu, um seinen Söhnen eine drastische Lektion zu erteilen. Niemals, selbst unter Schlägen nicht, dürften sie zugeben, jüdischer Herkunft zu sein. Paris ist von den Deutschen besetzt, die Juden sind mit dem gelben Stern markiert, ihr Schicksal ist besiegelt. Am nächsten Morgen brechen die beiden Jungen auf, um in die noch ›freie Zone‹ im Süden zu gelangen. In Nizza will die Familie wieder zusammenfinden. Aus der Sicht eines Zehnjährigen erzählt, könnte die brüderliche Reise eine Entdeckungs- und Abenteuertour durch schönste Landschaften sein. Doch es ist eine Flucht mit lebensbedrohlichen Abgründen, mit Härten, Entbehrungen, Furcht vor Verrat. Auch mit komischen Momenten und unerwarteten Wendungen. Joseph und Maurice begegnen Menschen mit Herz, sie haben Glück, klammern sich an ihre Hoffnung. Sie sind Kinder, die auf ihrer Odyssee nur zwei Jahre älter und doch erwachsen werden.

Familien auf der Flucht: Geschichten und Geschichte mit Fragen für die Gegenwart.

Fotos: Weltkino Filmverleih, Leipzig


Das Buch zum Film
Joseph Joffo. Ein Sack voll Murmeln.
Roman. 
Aus dem Französischen übersetzt von Lothar von Versen. 
Taschenbuch, 336 Seiten, 10,00 Euro, Ullstein Buchverlage, Berlin 2016. 
ISBN-13 9783548290263


 

Themen

Antisemitismus, Familie, Familien-, Geschwister- und Generationsbeziehungen, Flucht/Vertreibung, Heimat, Holocaust, Identität, Kollaboration, Krieg, Literaturverfilmung, Résistance, Solidarität, Verantwortung, Verrat, Vertrauen, Werte, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Französisch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Die jetzt zweite Verfilmung dieses ungeheuren Buches …erreicht uns und wühlt das wichtige Erinnerungskino mächtig auf. Dank zweier Kinder-Hauptakteure, die so unfassbar überzeugend-nahegehend ›spielen‹ […] Co-Drehbuch-Autor und Regisseur Christian Duguay, Jahrgang 1957, weiß eine ebenso bedeutsame wie spannende Geschichte zu erzählen, die es verdient, immer und immer wieder neu und weitererzählt zu werden. Deshalb gehört ›Ein Sack voll Murmeln‹ unbedingt nach seiner Kino-Auswertung auch in das hiesige ständige Schulfilm-Angebot.«
Hans-Ulrich Pönack, Spreeradio Berlin / www.poenack.de, Berlin

»Während der Roman in einem Abstand von 30 Jahren auf die Geschehnisse zurückblickt, wird der Film direkt aus der Sicht des kleinen Joseph erzählt. Dabei gelingen dem Regisseur nicht nur phantastische Naturaufnahmen der französischen Landschaft, sondern auch jede Menge menschliche Begegnungen, die vor Einfallsreichtum nur so sprühen und dem Film eine gute Mischung aus komischen und tragischen Momenten geben. Die Chemie zwischen den beiden Brüdern ist auf der Leinwand so stimmig, dass man sie schnell ins Herz schließt und stets mit ihnen und ihrem Schicksal fiebert, oder wie es der heute 81-jährige Joseph Joffo selbst formuliert: ›Momentan hallt unsere Geschichte besonders laut wieder. Viele Kinder müssen auch heute noch fliehen. Wie wir vor 75 Jahren sind sie vollkommen allein und auf sich gestellt unterwegs. Ich hoffe der Film bringt uns dazu, über das Schicksal dieser Kinder und ihrer zerrissenen Familien nachzudenken.‹« 
Kalle Somnitz, www.filmkunstkinos.de, Düsseldorf 

»Zu den Kunstgriffen von Duguays Inszenierung gehört es, den Unmenschen weniger Gewicht zu geben als den Lichtgestalten. Es finden sich viele couragierte Menschen mit Herzensbildung, die den Kindern helfen. Handelte es sich nicht um eine wahre Geschichte, würde man vermutlich das Drehbuch für konstruiert halten, kommt doch just immer, wenn es für die Jungs brenzlig wird, ein guter Geist zu Hilfe. Tief ins Gedächtnis brennt sich allen voran aber der von dem wunderbaren Patrick Bruel verkörperte fürsorgliche, selbstlose Vater ein, ein mutiger Mann mit traurigem Blick und großer Aura, dessen große Liebe sich selbst dann vermittelt, wenn er die Söhne mit Härtetests für den Überlebenskampf wappnet.«
Kirsten Liese, ray Filmmagazin, Wien 

»Aber mehr noch als die Nazis und Kollaborateure, mehr noch als der Schrecken und das Grauen bleiben die guten Menschen in Erinnerung, die Jo und Maurice auf ihrer Flucht helfen. Ein hilfsbereiter Schleuser etwa, der sie sicher in die "freie Zone" führt. Zwei hohe katholische Geistliche, die ihnen gefälschte Taufzertifikate besorgen oder ein jüdischer Arzt (Christian Clavier), der sie beiläufig vor dem KZ rettet. Diese Menschen schenken Hoffnung, und das macht auch heute wieder Mut.« 
Andreas Fischer, Heilbronner Stimme 

»Duguay hat ›Ein Sack voll Murmeln‹ zwar mit sichtbarem Aufwand, aber ohne Pomp gedreht. Die Qualität seiner Inszenierung liegt nicht zuletzt in der Beiläufigkeit, wenn beispielsweise ein zu kurz gewordener Jackenärmel verdeutlicht, wie viel Zeit seit dem Beginn der Flucht vergangen ist. Duguays Konzentration galt vor allem der Führung seiner beiden jungen Hauptdarsteller Dorian Le Clech und Batyste Fleurial, die ihre Sache fabelhaft machen und zudem erstklassig synchronisiert worden sind. Nicht minder berührend ist Patrick Bruel als gleichzeitig liebevoller und in seiner Rigorosität zwiespältiger Vater; Christian Clavier setzt einen markanten Akzent als jüdischer Kollaborateur. Auch diese Seite der Geschichte, ein äußerst heikles Thema in Frankreich, spart der Film also nicht aus, zumal Jo am Ende der Reise ausgerechnet von der Familie eines Hitler-Verehrers aufgenommen wird.« 

Tilmann P. Gangloff, Südkurier, Konstanz 

»Eine große Rolle spielt die Landschaft, die sich nach außen öffnet und von Licht durchflutet ist. Hier sind die Jungen unbeschwert, und hier kommen sie voran. Die Polizeibüros und Notunterkünfte strahlen hingegen mit ihrer beklemmenden Enge immer auch Gefahr und Stillstand aus. Ein wenig zu gefällig, zu konventionell und anrührend hat Duguay den Film inszeniert; manchmal hat man den Eindruck, als seien ihm die detailfreudige Ausstattung und das perfekt kreierte Zeitkolorit wichtiger als die eigentliche Geschichte. Doch nicht zuletzt durch das natürliche Spiel der jungen Darsteller Dorian Le Clech und Batyste Fleurial Palmieri vermag sein Film immer wieder zu packen.« Michael Ranze, film-dienst, Bonn



zuletzt aktualisiert am 04.12.2017

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