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Maikäfer, flieg!

Österreich 2016

 

 

»Ich werde alles tun, damit die Zeiten nie mehr normal werden!« April 1945, Ausnahmezustand: Für Christl eine herrliche Zeit zum »Strawanzen«, in Tagen voller Entdeckungen, Lebenslust und Freiheit. Die Erwachsenen dagegen erleben die Welt aus den Fugen, das Kriegsende als Katastrophe. Wien liegt in Schutt und Asche, die Russen kommen! In einer leerstehenden Villa vor der Stadt, hier war die Mutter mal Putzfrau, findet die Familie Zuflucht. Bald stoßen der aus dem Lazarett desertierte Vater und die rechtmäßigen Hausbesitzer dazu. Die Neunjährige beobachtet die Notgemeinschaft in ihren alten und neuen Verstrickungen, mit ihren Lügen und Geheimnissen. Das Mädchen ist frei von Schuld und Angst, von altkluger, forscher Offenheit – auch den Russen gegenüber. Deren jüdischer Koch wird Christl zum guten Freund.

Der Nachspann verweist auf den autobiografischen Bezug: Christine Nöstlingers Kindheitserinnerungen. Der Film findet dafür einprägsame Bilder und nachhallende Töne.

Fotos: W-film Distribution, Köln


Das Buch zum Film
Christine Nöstlinger. Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich. Roman. Sonderausgabe zum Kinofilm mit vielen farbigen Fotos. Neuausgabe 2016, gebunden, 232 Seiten, 12,95 Euro. Verlagsgruppe Beltz, Weinheim. ISBN: 978-3-407-74728-0

Taschenbuch: 224 Seiten, 7,95 Euro – ISBN: 978-3-407-78475-9


 

Themen

Familie, Familien-, Geschwister- und Generationsbeziehungen, Feindbilder, Frauen, Frauenbild, Heimat, Identität, Krieg, Kriegsfolgen, Literaturverfilmung, Nationalsozialismus, Norm/Normalität, Propaganda, Rollenbilder, Sprache, Verantwortung, Vertrauen, Vorurteile, Werte

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Die Nöstlinger schreibt von den Träumen einer Kinderseele und vom Familientrauma und wie möglich ein Miteinander wird, wenn man an das Gute in den Menschen glaubt. Sie schreibt, dass man nicht alle über einen Kamm scheren kann, weil es überall Depperte und Nichtdepperte gibt. Miriam Ungers Film hat das perfekt eingefangen. ›Maikäfer flieg‹ ist zum Lachen und zum Weinen und vor allem zum Weiterdenken.«.
Michaela Mottinger-Mašín, mottingers-meinung.at, Wien

»Unger zeigt mit Nöst­linger: Kinder dürfen stark sein, frei sein, sie sind nicht zu brechen [… ] Auch wenn ein Kind im Zentrum steht, ist dies weniger ein Kinder­film, als ein Film, der mal wirklich etwas für die ganze Familie ist: Eingängig und nicht-unsen­ti­mental, aber ernsthaft erzählt ›Maikäfer, flieg!‹ von der Entde­ckung der Freiheit und davon, dass es Norma­lität eigent­lich nicht gibt.« 
Rüdiger Suchsland, artechock.de, München

»Der Wiener Regisseurin Mirjam Unger gelang eine wunderbare Verfilmung von Nöstlingers unbeschwertem, von trockenem Witz durchzogenen und doch so berührenden Roman. Auch der Film schildert ihre Erlebnisse so detailreich, so voller Neugier und ohne Scheu, wie sie nur den Erinnerungen eines Kindes entstammen können. Die Achtjährige beschreibt, wie sich Mauerstaub im Hals anfühlt und wie der Russe roch, der den Kutschbock in ihre Einfahrt steuerte. Aus ihrer Perspektive beobachtet der Film das Gebaren der Erwachsenen, mit ihren Ohren scheint er jedes Geräusch aufzunehmen.« Katrin Nussmayr, Die Presse, Wien

»Eindrucksvoll, sehr direkt und ohne beschönigende Rücksichtnahme füllt der Film dieses Mosaik episodischer Impressionen mit Leben, wobei er plastisch und sinnlich jene Zeit des Umbruchs und des Wertewandels vor Augen führt, eine Zeit, in der das Umdenken und die notwendige Neuorientierung der Menschen ebenso zum Dilemma wird wie die ausbleibende Erziehung der Kinder, die sich quasi ihr eigenes Bild machen: von Zerstörung und tiefem Verlust, wie sie jeder Krieg bis heute kennzeichnet. Mal drastisch und beklemmend, mitunter aber auch komisch bricht sich dabei eine tiefe Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten Bahn, sodass das aufgeweckte, ›gerechte‹ neunjährige Kind als Hoffnungsschimmer erstrahlt.«
Horst Peter Koll, film-dienst, Bonn

»Ungers Romanadaption übersetzt Nöstlingers Prosa in eine traditionelle Filmsprache. Der Film rekonstruiert so schlüssig eine Vergangenheit, die sich speziell einem jungen Publikum barrierefrei erschließt. Das Ensemble ist stark. Ursula Strauss als Mutter, die ihre private Welt vor dem Zusammenbruch rettet, und Zita Gaier als Christl, ­die sich ihr eigenes Universum erschafft, haben unvergessliche Momente.«
Dietmar Kanthak, epd film, Frankfurt/Main

»Dass sich Mirjam Unger dafür entschieden hat, ihren Film großenteils im Wiener Dialekt sprechen zu lassen, macht ihn noch authentischer, erschwert aber nördlich des Weißwurstäquators vielleicht den schnellen Zugang. Andererseits verweigert sich der Film ohnehin den üblichen tantenhaften Kinderklischees und verbreitet generell eine angenehm sympathische Sprödigkeit … Auch in der Bildgestaltung zeigt sich der sensible Umgang mit der Vorlage, die Kamera bleibt oft in Augenhöhe des Kindes, das Tempo wechselt zwischen sehr gemächlich und flott – ähnlich wie die Musik, die ohne schmelzende Walzerklänge und schluchzende Violinen auskommt. Denn hier gibt es keinen Pathos oder Rührseligkeit, weder in der Komik noch in der Tragik.«

Gaby Sikorski, programmkino.de, Osnabrück



zuletzt aktualisiert am 08.11.2017

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