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Die Mitte der Welt

Deutschland, Österreich 2016

 

 

»Visible«, so nennen sie ihre – von einer Urgroßtante geerbte – Villa Kunterbunt am Rande der Stadt. Sichtbar für alle, dass hier Leute wohnen, die anders sind als die anderen: weit weg vom klassischen, der Norm entsprechenden Familienmodell. Eine schräge Mutter, die ihre Zwillinge nach eigenen Vorstellungen und Werten erzieht. Mit 18 schon war sie schwanger geworden und aus den USA nach Deutschland gekommen. Der Name des Vaters bleibt ihr Geheimnis, es ist die geschwärzte Nummer drei auf der langen Liste ihrer Liebhaber. Die familiäre Harmonie des Dreierbundes erfährt Turbulenzen, aber keine Katastrophen. Bis zu jenem Sommer, als der 17-jährige Phil von einem Französisch-Camp nach Hause zurückkehrt. Ein Sturm hat gewütet und offenbar nicht nur Bäume entwurzelt. Seine Zwillingsschwester Dianne scheint wesensver-ändert und mit der Mutter überkreuz. Die beiden wollen und können nicht mehr miteinander reden, der Grund muss ein gewichtiger sein. Zum Glück hat Phil in Kat eine wunderbare Freundin, die Sorgen mit Verständnis und Vanilleeis zu vertreiben versteht. Bis nach den Sommerferien ein Neuer in die Klasse kommt und Phil vollends aus dem Gleichgewicht haut. Je mehr Nicholas Phils Gefühle erwidert, desto größer werden die Rätsel. Die Vergangenheit lässt sich nicht länger verdrängen, das Chaos familiärer und sexueller Identitäten drängt nach Aufklärung und Ordnung.
Die Suche nach den Lücken im Lebenslauf: eine Geschichte großer Gefühle.

Fotos: Universum Filmverleih


 

Themen

(erste) Liebe, Außenseiter, Coming-out, Eltern-Kind-Beziehung, Erwachsenwerden, Erziehungsmethoden, Familie, Familien- und Geschwisterbeziehungen, Freundschaft, Geschlechterrollen, Heimat, Homosexualität, Identität, Kommunikation, Lebenskonzepte, Literaturverfilmung, Schuld, Tabus, Toleranz, Träume, Vorurteile, Wünsche

 

Fächer

Deutsch, Kunst, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»Eines ist auch nach diesem schönen, so bewegenden wie temperamentvollen Film gewiss: Andreas Steinhöfels Roman ›Die Mitte der Welt‹ bleibt weiterhin unverfilmbar. Das mag nach einem Widerspruch klingen, ist es aber nicht. Denn eigentlich ist der Film gar keine Romanverfilmung, zumindest nicht im konventionellen Sinne, vielmehr die sinnliche Verdichtung einiger zentraler Handlungs- und Themenmotive der literarischen Vorlage. Womit der Film ganz wunderbar neben dem Roman bestehen kann.«
Horst Peter Koll, film-dienst, Bonn

»Erwa findet für dieses Gefühlswirrwarr immer wieder brillante visuelle Einfälle. Mit leichthändiger Balance ist ihm einer der schönsten deutschen Filme über die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens gelungen.«
Thomas Abeltshauser, Berliner Morgenpost

»Es gibt keine Geschichte des Haderns mit der eigenen Sexualität, kein angstbesetztes Coming-out, keine feindlichen Reaktionen des love interest; kein verschämtes Abblenden nach dem ersten Kuss oder der ersten Berührung. Der Film nimmt sich Zeit, Phils erste Liebe zu zeigen, das Aufregende und Schöne und Zärtliche und Ekstatische der Kommunikation zwischen zwei Körpern. Daneben finden aber auch deutliche Akzentverschiebungen gegenüber dem Buch statt, die sich schon allein aus dem Bemühen ergeben, der Fülle des Romans und seiner komplexen Struktur Herr zu werden.« 
Natália Wiedmann, sissy, Berlin

»Somit bleiben bei ›Die Mitte der Welt‹ insbesondere zwei Dinge in Erinnerung: die Bilder eines langen Waldweges und die Selbstverständlichkeit, mit der die Homosexualität der Hauptfigur behandelt wird. Es wird – wie im Buch – nicht groß thematisiert, dass Phil seine sexuellen Erfahrungen mit einem Jungen macht, spielt in der Inszenierung und der Anlage der Geschichte keine Rolle. Weitaus dramatischer ist Phils Abnabelung von seiner Familie, die nur möglich ist, indem er herausfindet, welche Menschen ihm wichtig sind – und wie er für sich einstehen kann. Und das ist wohltuend unaufgeregt.«
Sonja Hartl, kino-zeit.de, Mannheim

»Der junge Louis Hofmann, schon jetzt mit Preisen überhäuft, spielt diesen liebenden Phil mit einer äußersten Sensitivität, gleichsam hautlos. Rein äußerlich ist er noch ein Mensch mit eigenen Umrissen, aber das täuscht. Die Grenzen seiner Welt sind die des Öligen: Jannik Schümann als Nicholas.«
Kerstin Decker, Der Tagesspiegel, Berlin

»Man folgt ihm gern, weil alles so warm strahlt noch in der Finsternis. Weil Louis Hofmanns Phil ein großer Staunender, ein fein nach seiner Lebensspur Tastender ist. Und weil alle, die mit ihm unterwegs sind, mehr als nur Konturen bekommen. Keiner bleibt ein bloßer Schemen […] So entspannt ist zumindest in einem deutschen (Jugend-)Film noch nie mit einem schwulen Coming-out umgegangen worden. Phil ist schwul. Alle wissen das. Warten auf seine erste Liebe. Und als sie da ist, sind alle froh.«
Elmar Krekeler, Die Welt, Berlin

»Auch der Film selbst steht aktuell etwas quer in der deutschen Kinolandschaft: ästhetisch zu Mainstream für die queere Nische (die Berlinale, mit ihren queeren und Jugendfilmschwerpunkten, hat ihn vielleicht deshalb nicht eingeladen), viel zu schwul für die Cineplex-Kinos, deren Geschäft es ist, Heldenidentifikationen anzubieten.
Hoffen wir, dass die Jugendlichen (und alle anderen) ihn woanders finden. Vielleicht sogar in den gegenwärtig familienpolitisch so umkämpften Bildungsplänen. Visible, so unvollkommen und gefährdet es ist, sollte zumindest als alternative Mitte der Welt sichtbar bleiben.«
Jan Künemund, spiegel.de, Hamburg




zuletzt aktualisiert am 25.07.2017

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