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Der lange Ritt zur Schule

DDR 1982

 

 

Es war einmal …, als Kinder beim Lernen noch rote oder blaue Halstücher trugen und auf »Seid bereit!« im Chor mit »Immer bereit!« antworteten . Ihre Bildungseinrichtung war nach Siegmund Jähn benannt und konkurrierte mit der »von Goethe-Oberschule« um Spartakiade-Gold. Vieles hat sich geändert seitdem, nicht nur Namen, Zeichen, Begriffe. Heute wie damals aber gibt es – im Film wie im wahren Leben – Jungs und Mädchen wie Alex und Maren, die gerügt werden, weil sie des öfteren zu spät kommen. Kinder mit überschäumender Fantasie. Alex jedenfalls sieht etwas, was andere kaum im Traum sehen: Männer, die aus dem Fernseher in der Wohnstube direkt in seine Welt schreiten. Es sind die Westernhelden seiner Lieblingsfilme, gute und böse Reiter, die auf der Suche nach einem Goldschatz durchs Tal der toten Hand galoppieren. Wen wundert's, wenn der Weg zur Schule ewig dauert, bei so vielen Ablenkungen und Verwandlungen: Da wird das Rad zum Ross, das Postauto zur Postkutsche – und der Sportlehrer zum Häuptling »Roter Milan«, der Alex »mein weißer Bruder« nennt. Es wird geschossen und geflucht – und am Ende aus dem Speisesaal der Schule sogar ein fantastischer Saloon. Der Direktor trägt einen Sheriff-Stern und sieht auf dem Schulflur einen Gaul …

Hier gingen schon beim Drehen im wahrsten Sinne des Wortes die Pferde durch! Ein Kinderfilm als absolut ungezügeltes Abenteuer. Komisch, mit Hintersinn – und ein bedachter Rückblick in die (filmische) Vergangenheit. Indianerehrenwort!

Fotos: DEFA-Stiftung/Heinz Pufahl



 

Themen

DDR, Familie, Fantasie, Filmgenre, Freundschaft, Geschlechterrollen, Identität, Identitätswechsel, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Schule, Träume, Western, Wünsche, Zeitgeschichte

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik, Sachunterricht

 

Kritikerstimmen

»Rolf Losansky drehte ›Der lange Ritt zur Schule‹ nach einer klitzekleinen Geschichte von Gerhard Holtz-Baumert, formte aus ihr ein übermütiges Westernspektakel, ein modernes Märchen [...] Bekannte Schauspieler stehen Losansky dabei zur Seite, haben, wie man ihnen unschwer anmerkt, einen Heidenspaß, in solch turbulentem ›Western‹ - und oft zudem in einer Doppelrolle - spielen zu können.«
Hans-Dieter Tok, Leipziger Volkszeitung (1982)

»Für Alex ist das Sichhineinträumen in eine phantastisch-realistische Welt ein Freiraum im Gefüge der sonstigen strengen Ordnung von Elternhaus und Schule, ist auch ein Abreagieren erlittener kleiner Enttäuschungen. Aber es ist keine Flucht in eine Traumwelt, um zu vergessen, vielmehr eine Form der aktiven geistigen Auseinandersetzung mit seiner Umwelt. So dürfte die Moral dann eher lauten: Träume, Phantasie gehören zu unserem Leben, ohne sie wären wir um vieles ärmer. Auch bei allen Filmbeteiligten, egal, ob groß oder klein, hat man den Eindruck, sie sind beim Drehen mit ausgerissen ins Land der Phantasie, so sehr sind alle bei der Sache.«
Klaus-Peter Wolf, Tribüne, Ost-Berlin (1982)

»Regisseur Rolf Losansky hat … viele Details eines Westerns ›verarbeitet‹, um eine spannende und phantasieanregende Geschichte mit durchaus ernst zu nehmenden Parallelen zur Wirklichkeit zu erzählen [...] Einige der humorvollen Seitenhiebe des Films sind wohl an Lehrer und andere Erwachsene gerichtet, die allzuoft unter der Phantasie ihrer Sprößlinge stöhnen.«
Marlene Köhler, Freiheit, Halle (1982)

»Die Geschichte ist voller Hintergründigkeiten. Unentwegtes Augenzwinkern: auf der Leinwand und beim Publikum. [...] Phantasie wird bei all dem nicht nur groß geschrieben, sondern – was wichtiger ist und überzeugender wirkt – ganz groß ins Bild gesetzt.«
Joachim Giera, Filmspiegel, Ost-Berlin (1982)

»Menschen- und kinderfreundlicher Sinngehalt: Phantasie ist schon eine gute Sache, auch wenn man es damit so übertreibt wie der kleine Filmheld, der darüber die Wirklichkeit vergißt, doch selbst dann ist sie immer noch besser als etwa gar keine. Wie diese Verschmelzungen von Tagträumen und Normalleben aber funktionieren, ob Kinder wirklich so erleben, da muß sich ein Erwachsener fast schon inkompetent fühlen, das zu beurteilen [...] Am gelungensten wirkt der Film jedenfalls dort, wo sich Kieinstadtalltag mit kindlicher Abenteuerimagination vermischt.«
Helmut Ulrich, Neue Zeit, Ost-Berlin (1982)

»Alex überträgt seine Probleme, Räume und Leute, die er kennt, in eine Welt, die er in seinem Kopf nach seinem Bilde formt. Das sind eigentlich mehr Impressionen, ein Plädoyer für Phantasie [...] Der übergroße Teil des Filmes findet gleichsam im Westem-Look statt, bekannte Muster werden, da mit augenscheinlichem Spaß am Spiel, zitiert, das ist häufig auch attraktiv und lustig anzusehen, nur: Es entwickelt sich nichts, da tritt der Spaß trotz galoppierender Rösser auf der Stelle [...] All die gestandenen Darsteller spielen hier tatsächlich mit Lust: Einmal wieder Räuber und Gendarm sein, einmal den wilden Mustang reiten.« 
Henryk Goldberg, Neues Deutschland, Ost-Berlin (1982)





zuletzt aktualisiert am 15.03.2017

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