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Der Nachtmahr

Deutschland 2015

 

 

Wummernde Bässe, zuckende Lichter, Alkohol und Drogen. Eine Partynacht am illegalen Ort, die Sinne erweiternd, die Sinne verwirrend. Immer zur Hand: das Smartphone für das Beweisbild in den sozialen Medien: So geil sieht es hier aus und ich bin dabei! Völlig normal für die 17-jährige Tina, bis sie draußen auf der Straße ein Auto auf sich zurasen sieht – und von ihm überfahren wird. War ihr das nicht gerade auf einem Handy-Filmchen gezeigt worden? Ein böser Traum, ganz klar! Aber was ist mit diesem hässlichen Gnom, den sie bei sich zu Hause erst hört und dann mit Schrecken sieht? Die Eltern glauben ihr nicht, schicken sie zum Psychiater. Doch der Nachtmahr verfolgt und belastet Tina körperlich und seelisch, bis sie ihn zu akzeptieren beginnt – er ist ein Teil ihrer selbst. Aus dem verzweifelten »Ich bin doch kein Freak!« wird am Ende ein selbstbewusstes: »Jetzt wollen wir mal sehen, wer hier verrückt ist!«

Schwarze Romantik trifft den Zeitgeist: ein Genrefilm bester Art!

Fotos: Koch Media, Planegg


 

Themen

Albträume/Halluzinationen, Drogen, Familie, Familien- und Cliquenbeziehungen, Filmgenre, Filmmusik, Halluzinationen, Horror, Identität, Jugendkultur, Kunstgeschichte, Monster, Schauerromantik, Social Media

 

Fächer

Deutsch, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Musik, Philosophie, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»Der Nachtmahr ist ein toller Kinofilm. Es ist auch ein großer Auftritt für Carolyn Genzkow in der zentralen Rolle der Tina. Dies ist ein Horror­film, der den Horror – wie alle guten Vertreter des Genres, inmitten der Gegenwart und Gesell­schaft ansiedelt. Erschre­cken kann man hier über sich selbst. Dieser bemer­kens­werte Film ist also ein seltenes Beispiel ernst­zu­neh­menden deutschen Genre­kinos und Horror­films, zugleich ein unver­hoh­lener Rückgriff auf die Tradition der Schwarzen Romantik in Deutsch­land, die von den Märchen der Grimms und Hauffs über die Novellen E.T.A Hoffmanns bis zur Malerei Böcklins und den Filmen Murnaus reicht.«
Rüdiger Suchsland, artechock.de, München

»Das Ergebnis ist jedenfalls für einen Independent-Film beachtlich. Darüber hinaus gelingt es ›Der Nachtmahr‹ in seinen zahlreichen ausgedehnten Club-Szenen eine sehr greifbare, außerweltliche Stimmung zu kreieren. Man fühlt sich mitgerissen und hineingesogen in eine unwirkliche Scheinwelt voller dröhnender Bässe und greller Lichter. Akiz beschwört hier ein hedonistisches Lebensgefühl, das nicht nur Erlösung (vom Horror der Adoleszenz?, vom Gefängnis der eigenen Ängste?) verspricht, sondern bei dem immer auch eine unergründlich dunkle Seite mitschwingt.«
André Becker, Manifest. Das Filmmagazin, Reichenbach an der Fils

»Akiz schafft es viele Fragen zum zunehmend medialisierten Leben zu stellen und Themen wie jugendliche Grenzerfahrungen oder psychischer Krankheit ohne erhobenen Zeigefinger und mit viel Empathie zu problematisieren ohne dabei einen Lösungsansatz für diese hoch komplexen Erfahrungswelten und die daraus resultierenden Problemen zu wagen, dabei gelingt es ihm eine treffende Bestandsaufnahme unserer digitalen, psychischen und (Konsum-)Welt zu skizzieren und uns simultan mit flackerndem Licht und lärmender Musik sinnbildlich unsere stetige Überforderung im täglichen Leben aufzuzeigen.«
Thomas Ressel, 
Daumenkino, dkritik.de, Braunschweig

»Akiz macht uns mit seinem Film nicht schlauer, aber reicher. Er hält das Erlebnis hoch in all seiner Ambivalenz, in all seiner ekligen, dumpfen, schnöseligen, grundverkehrten Wahrhaftigkeit. Unversehens kommt der Film so dem deutschen Fetisch der Verhaltenskontrolle nahe und entlarvt Fassaden, in vollem Bewusstsein der Künstlichkeit eines jeden Bildes. Aufklärung ohne Aufklärungsimpetus - und genau deshalb authentischer als so manch auf authentisch gebürstetes Dialog-Botschafts-Drama.« 

Frederic Jaeger, Der Spiegel, Hamburg

»Hartgesottene Horrorfans sollten gewarnt sein, dass ›Der Nachtmahr‹ die Ansprüche an das Genre nicht leichtfertig bedient. Zugleich hat Akiz auch ein Problem mit dem Begriff ›Coming of Age‹, den eigentlich nur verwerflich finden kann, wer nicht versteht, dass Horrorklassiker wie ›Halloween› oder ›Nightmare on Elm Street‹ nichts anderes als verkappte Coming-of-Age-Filme sind. ›Der Nachtmahr‹ nähert sich dem Sujet einfach nur von seinem anderen, dem nichtrepressiven, nichtreaktionären Ende her. Der Hedonismus der Jugend – die Lust, der Sex, die Drogen – ist keine moralische No-go-Area, sondern ermöglicht Freiheiten zur Selbstverwirklichung.« 

Andreas Busche, taz, Berlin

»Es geht dem ›Nachtmahr‹ zwar wie so vielen Gruselfilmen: Die Angst vor dem Unwesen ist viel effektiver, solange man es nicht wirklich sieht. Wenn es dann doch mal in Gänze erscheint, sieht es weniger aus wie aus dem ›Nachtmahr‹-Gemälde von Johann Heinrich Füssli, sondern eher wie ein Zwitter aus E.T. und Meister Yoda, aus, den man lieber knuddeln würde als vor ihm zu bibbern […] Deutsches Genre, das geht sehr wohl.«
Peter Zander, Berliner Morgenpost

»Aufregend an diesem Film ist also weniger die Geschichte als vielmehr die Art, wie Akiz sie inszeniert. Lange musste er nach einem Kameramann suchen, der bereit war, seine bildästhetischen Vorstellungen umzusetzen: die fürs Kino ungewohnte Weitwinkelperspektive und der Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung […] Der ganz eigene, trancehafte Look von Nachtmahr und sein düsterer Elektro-Score korrespondieren nun wunderbar mit der somnambulen Geschichte, in der es stets um die Frage geht, was Wirklichkeit und was Einbildung ist.« 
Kaspar Heinrich, Die Zeit, Hamburg

»Erfreulicherweise ist hier nichts eindeutig. Akiz jedenfalls, der den Film mit einem Etat von weniger als hunderttausend Euro gedreht hat, gab bekannt, es handele sich um einen Teil einer Trilogie, die sich den großen Themen Geburt, Liebe und Tod widmet, und ein derart weites Raster nimmt dem Film nichts von seinem Rätsel.«
Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Zunächst einmal ist Akiz′ Film ›Der Nachtmahr‹ […] ein forcierter Angriff auf die Sinneswahrnehmung: In den Stroboskopgewittern, die getaktet werden von harten Technobeats und wüsten Störgeräuschen (Musik u.a. von Alec Empire und Boys Noize), verlieren sich Raum und Zeit und Orientierung.«
Wolfgang Nierlin, filmgazette, Bielefeld

»Noch beeindruckender ist allerdings die stilistische Radikalität des Werks, der Wille und Mut zum Exzess. Mit unter 100 000 Euro Budget ist da ein Bilderrausch entstanden, wie er besonders im deutschen Kino Seltenheitswert hat. Obwohl die Inszenierung in einzelnen, mehr dem Realismus verpflichteten Momenten holpert, tragen die Sensibilität von Carolyn Genzkow in der Hauptrolle und die in die Eingeweide fahrende Intensität von Bild- und Tongestaltung den Film bis zum ambivalenten Ende. Man muss weder Technofan noch Teenager sein, um sich von diesem außergewöhnlichen Trip mitreißen zu lassen.«
Patrick Seyboth, epd film, Frankfurt/Main

»Fest steht nur, dass Akiz mit seinem komplett unab­hängig produ­zierten Werk ein äußerst frischer, origi­neller und deshalb große Hoffnung weckender deutscher Gerne­film­bei­trag geglückt ist. Hier hat einmal jemand die Krea­ti­vität und den Mut besessen, nicht einfach eine deutsche Version eines bereits erfolgs­er­probten US-ameri­ka­ni­schen Film­kon­zepts zu verwirk­li­chen, sondern etwas völlig Eigenes zu kreieren.«
Gregor Torinus, artechock.de, München

»Selten waren solch luzide Szenen von Teenage Angst und Paranoia zu sehen, und selten hat ein Regisseur derart darauf bestanden, dass sich die Verwirrungen der Pubertät, die Stürme der Adoleszenz, diese ganze Panik und Euphorie des Coming-of-Age nicht so komplett erklären und besänftigen lassen, wie das etwa einschlägige TV-Dramen vorgeben.«
Rupert Koppold, Kontext: Wochenzeitung, Stuttgart



zuletzt aktualisiert am 03.11.2016

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