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Tschick

Deutschland 2016

 

 

Die Walachei, das ist wie Dingenskirchen oder Tripstrille: Irgendwo im Nirgendwo, ein Sehnsuchtsort. Tschick aber weiß, dass es die Walachei wirklich gibt und dort sein Großvater wohnt. Dieser Andrej Tschichatschow – unaussprechlicher Name, unausstehlicher Kerl – mag ein Kauz sein, doch in seiner Art auch der einzige, dem sich Maik Klingenberg verbunden fühlt. Absolut unterschiedlich, absolute Außenseiter. Brüder im Geiste vielleicht. Beste Voraussetzungen also, um im geklauten Lada-Niva – Richard Claydermans »Pour Adeline« im Ohr – von Marzahn aus aufzubrechen ins Abenteuer. Das kann schon in der Lausitz in einem Weizenfeld, an einem Stausee oder in einem Krankenhaus enden. Unendlich aber ist der Blick in den Sternenhimmel.

Was Wolfgang Herrndorfs Roman so groß- und einzigartig machte, bringt dieser Film auf die Leinwand. Atmosphärisch dicht, ernsthaft-komisch, assoziationsreich: mit fantastischen Bildern und authentisch starken Darstellern.

Fotos: StudioCanal, Berlin


 

Themen

(erste) Liebe, Abenteuer, Außenseiter, Familie, Freundschaft, Heimat, Identität, Individualität, Literaturverfilmung, Roadmovie, Schule, Sexualität, Vorurteile

 

Fächer

Darstellen und Gestalten, Deutsch, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Musik

 

Kritikerstimmen

»Ist nun das Lebensgefühl des Romans getroffen? Das ist es – in der vollkommenen Gegenwärtigkeit der beiden Helden, auch in Maiks durch Akin gewitzt visualisierten Fantasien, etwa wenn sich der Junge einen Western-Shoot vorstellt, als sich der Vater mit der Geliebten davon macht. Diese Szene gibt es im Buch nicht; überhaupt betont Akin in seiner Verfilmung das Aktive, Hoffnungsvolle. Eine Schlüsselstelle im Roman ist jene, als Tschick und Maik in die Sterne gucken und begreifen, wie klein und endlich sie sind. Im Film ragen dabei Windräder in den Himmel.«
Anke Westphal, Berliner Zeitung

»Bleibt, wie eigentlich der ganze Film, perfekt dem weltöffnenden Geist der Vorlage treu – und vielfach übrigens auch dem Buchstaben. Wenn Fatih Akin etwas hinzufügt, dann sind es kluge Akzente und einen sehr guten Soundtrack, der den Horizont der beiden Ausreißer dann doch übersteigen würde, ohne dass das aber irgendwie aufdringlich wirkt.«
Bert Rebhandl, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Wo Herrndorf Episode auf Episode reiht, nimmt das Drehbuch von Lars Hubrich, Fatih Akin und Hark Bohm kluge Abkürzungen, lässt manche der teils märchenhaft-überhöhten oder skurrilen Begegnungen aus und verdichtet andere. Mit rund 90 Minuten ist der Film überraschend kurz ausgefallen, dafür aber auch kurzweilig und nicht redundant. Das Gefühl, dass zwei Jungen eine ganz besondere Reise hinter sich gebracht haben und zumindest Maik am Ende als anderer Mensch zurück in die Schule kommt, trifft Akin auf den Punkt. Und findet im Abspann noch eine schöne filmische Form, um in einer Animationssequenz eine Lücke zu schließen.«
Stefan Stiletto, film-dienst, Bonn

»Selbstverständlich nimmt das charmante Roadmovie gegenüber dem Buch Abkürzungen, lässt aber nichts von seinem Charme und den ›Sehenswürdigkeiten‹ aus, von den verschlafenen Landstraßen, den skurrilen Gestalten und der romantisch-abenteuerlichen Atmosphäre. Wenn von einem im Lada vorgefundenen Kassetten-Tape Richard Claydermans kitschige Klaviermusik ertönt, passt sie perfekt zum Ausbruch aus dem Mainstream.«
Tereza Fischer, Filmbulletin, Zürich

»Wenn es überhaupt einen programmatischen Unterschied zum Roman gibt, betrifft er am Schluss die Frage der Zukunftsträume. Herrndorf entlässt seine Leser mit dem Gefühl, dass für Maik und Tschick das Wünschen schon noch helfen wird. Akin ist da sogar eine Spur strenger. Auch das ist bemerkenswert an dieser schönen Adaption - dass man dem Kino hier nicht vorwerfen kann, am Ende doch nur wieder die windelweiche Wunschmaschine zu sein.«
Tobias Kniebe, Süddeutsche Zeitung, München 

»Der Sommer ihres Lebens – Fatih Akins Verfilmung des Kultromans ›Tschick‹ ist eine Ode an das Anderssein und strotzt nur so vor verschrobener Energie. Die beiden Hauptdarsteller stoßen sich mit ihren Performances die Tür zu einer großen Schauspielkarriere auf, wenn es ihnen und ihrem Regisseur gelingt, ein einzigartiges Lebensgefühl von der Leinwand in den Kinosaal zu transportieren.«
Antje Wessels, quotenmeter.de

»Wer weiß, wie es mit der Karriere von Tristan Göbel und Anand Batbileg weitergehen wird? Beide sind äußerst gelungene Besetzungen der Hauptfiguren. Maik wirkt weich und pubertätsleidend. Tschick schaut mit seinem kahlrasierten Schädel samt Inselhaartolle und seinem mal zum Kevin-Kuranyi-, mal zum Hitlerbart mutierten schwarzen Klebeband so aus, wie er souverän spielt: prollig präpotent und babyface-niedlich zugleich.«
Marc Reichwein, Die Welt, Berlin








zuletzt aktualisiert am 25.10.2017

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