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Das Tagebuch der Anne Frank

 

 

 

Amsterdam, Juni 1942: Ein Mädchen feiert im Kreise der Familie seinen 13. Geburtstag. Ein gutbürgerliches Zimmer, eine scheinbar entspannte, freudvolle, friedliche Atmosphäre. Auf dem Tisch eine Erdbeertorte, rote Rosen, Päckchen mit Schleifen – und als Geschenk des Vaters ein noch leeres Tagebuch. Am 12. Juni 1942 trägt Anne Frank ihre ersten Sätze ein; am 4. August 1944 endet ihre schriftliche Zwiesprache: abrupt und gewaltsam, weil die Gestapo acht in einer winzigen Dachgeschosswohnung versteckte Juden entdeckt hat und ihr tödliches Schicksal damit besiegelt.
Das Tagebuch konnte gerettet werden; das Mädchen wurde weltweit zum Mythos. Dieser erste deutsche Spielfilm über Anne Frank erleuchtet keine Ikone, sondern zeigt ein pubertierendes Kind, das zur jungen Frau heranwächst. Klug, selbstbewusst, wortgewandt, von einem Leben als Schriftstellerin träumend. Auch vorlaut, ungerecht, andere verletzend, mit Ängsten, Hoffnungen, Sehnsüchten – mit der ersten Liebe am unmöglichen Ort zur unmöglichen Zeit. Der Film zeigt und porträtiert auch die Extremsituation der Notgemeinschaft in der Prinsengracht 263: zum Nichtstun verdammt, einander ausgeliefert, aufeinander angewiesen – und in ständiger Furcht vor Entdeckung und drohender Deportation. Das furchtbare Ende ist bekannt, der Film kann und will es dem Zuschauer nicht ersparen. 

Ein Film, der seiner Heldin allen Freiraum und alle Freiheiten lässt und dem gelingt, was Anne Frank sich gewünscht hatte: »Ich will fortleben, auch nach meinem Tod. Ich will nicht umsonst gelebt haben.«

Fotos: Universal Pictures International Germany


 

Themen

(deutsche) Geschichte, (erste) Liebe, Antisemitismus, Biografie, Drittes Reich, Erinnerungskultur, Familien- und Geschwisterbeziehungen, Gedenkkultur, Geschichtskultur, Holocaust, Identität, Identitätsfindung, Illegalität, Lebensentwürfe, Literaturverfilmung, Nationalsozialismus, Selbstbewusstsein, Solidarität, Totalitarismus, Werte, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»Wenn man den Film sieht, merkt man, dass nichts auserzählt ist. Dass es nur um die Art geht, wie man es tut. Es wird nichts überhöht, es werden keine Denkmäler gebaut oder Botschaften versendet. Es ist, wie es ist, wie es war – und stärker kann es auch nicht werden. Näher als durch den Film kommt man Anne Frank nur beim Lesen ihres Buches. Der Film ist nicht Teil der endlosen Vermarktungskette geworden. Ein Erfolg sollte er aber schon sein. Regisseur Steinbichler sagt: ›Es wäre das Größte, wenn Schulen sagen, da gehen wir zusammen rein‹.«
Bernd Dörries, Süddeutsche Zeitung, München

»Der Autor des Drehbuchs, Fred Breinersdorfer, hat mit ›Elser‹ und ›Sophie Scholl – Die letzten Tage‹ bereits einschlägige Erfahrungen mit Filmen über Nazi-Deutschland. Mitunter wirkt ›Das Tagebuch der Anne Frank‹ wie die Geschichte eines pubertierenden Mädchens vor der Kulisse des Dritten Reiches. Dass Anne Frank ihr Tagebuch so bearbeitet hat, dass es weit mehr ist als ein Zeugnis der Adoleszenz während der Flucht, kommt manchmal zu kurz. Nichtsdestotrotz ist diese Verfilmung wichtig: ein deutscher Film in dieser Zeit, der ein junges Publikum anzusprechen vermag, und eine Brücke schlägt zu den Geflohenen und Vertriebenen der heutigen Zeit.«
Alexander Isele, Neues Deutschland, Berlin

»Die neuerliche Verfilmung des Stoffs ist sehenswert, auch und gerade, weil man es versteht, die Grauen der Zeit des Nationalsozialismus am Schicksal einer Familie spür- und erlebbar werden zu lassen. Das macht diesen Film auch so wichtig, weil er gerade in der heutigen Zeit den Blick des Zuschauers darauf richtet, dass derartiges nie wieder passieren darf. Das ist eindringlicher und wirkungsvoller als jede Geschichtsstunde – und darum ist es auch immer wieder nötig, sich dem Stoff erneut zu nähern. Weil die Geschichte von Anne Frank universell und zeitlos ist, und weil man nie vergessen darf, da man sonst Gefahr läuft, die eigene Menschlichkeit zu verlieren.«
Peter Osteried, kritiken.de

»Also alles schon erzählt? Nicht ganz! Regisseur Hans Steinbichler … hat es geschafft, mit seinem Film der Figur Anne Frank noch einmal neue Facetten abzugewinnen: Eine Ikone, tausendmal angefasst und herumgereicht, abwechselnd auf irgendwelche Sockel gestellt und dann wieder in den Schmutz gezogen von rechten Holocaust-Leugnern, die auf einmal wieder zu leben beginnt – das macht den Reiz dieses Films aus […] Ein sehr dichtes Kammerspiel, das nicht didaktisch oder historisch-erklärend daherkommt, sondern wirklich spannend.«
Carsten Beyer, kulturradio vom rbb, Potsdam/Berlin

»Eng am Originaltagebuch und anderen persönlichen Aufzeichnungen von Anne Frank und ihrer Familie erzählen sie [Buch und Regie] die Geschichte eines Teenagers ›aus der subjektiven und somit authentischen Erfahrung eines frechen, ungemein klugen Mädchens in der Pubertät, das unter aberwitzigen Bedingungen aufwachsen muss‹, so Regisseur Hans Steinbichler. Und untermalen ihre bewegende Geschichte zudem mit einer sensibel eingesetzten Musik, die wie die Bilder Kitsch und Pathos vermeidet und doch gefühlvoll den Film trägt.«
Hermann Thieken, programmkino.de

»Steinbichler vertraut vor allem seiner wunderbar präsenten Hauptdarstellerin. Lea van Acken verkörpert das frühreif erwachte, im Übergang vom Kind zur jungen Frau im Versteck zum Unterdrücken aller Lebenssehnsüchte gezwungene Mädchen: schmallippig schnippisch, rührend verträumt, dann wieder ohne Selbstmitleid von Zärtlichkeit und Überlebenswut erfasst. Anne ist die Erzählerin, liest immer wieder direkt in die Kamera aus ihrem Tagebuch, nur so erscheint die Gefangene noch als Herrin ihres Geschicks.«
Peter von Becker, Der Tagesspiegel, Berlin

»Diese junge Darstellerin verkörpert den leibseelischen Übergang der Kindheit ins Erwachsensein, als könne sie schon wissen, was es heißt, eines Tages nie wieder ganz Kind zu sein. Und als kenne sie die Schwelle, auf der Anne Frank lebte. Sie spielt gegen den Mythos an, gegen die Ikone, gegen die machtvolle Überlieferungs-, Überlagerungs- und Quellengeschichte, mit der es jeder aufnehmen muss, der sich Anne Frank nähern will. Und sie erschafft eine Geschichte, die untrügerisch wahr ist.«
Elisabeth von Thadden, Die Zeit, Hamburg

»Und das schreckliche Ende, Frühjahr 1945, im Konzentrationslager Bergen-Belsen? Ja doch, wir begleiten als Zuschauer Anne Frank auch dorthin […] Drei Wochen mehr, wir wissen es, hätten genügt, um Anne Frank am Leben zu halten und sie zu dem zu machen, was sich in ihrem kurzen und doch so staunenswerten Leben machtvoll, lustvoll angekündigt hat: eine Frau, die mit Worten zaubern kann. Ihre Jahre als Zauberlehrling erleben wir dank Lea van Acken bei Hans Steinbichler so intensiv wie nie zuvor.« 
Tilman Krause, Die Welt, Berlin

»Steinbichlers Film erzählt die bekannten Ereignisse konventionell, ohne große künstlerischen Ambitionen, bietet solides Handwerk, gute Schauspielerleistungen, ein gewisses Maß an Dramatik und bleibt immer verständlich. Man kann sich den Film gut im Schulunterricht vorstellen.«
Jochen Kürten, Deutsche Welle, Köln





zuletzt aktualisiert am 21.10.2016

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