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Almanya – Willkommen in Deutschland

Deutschland 2011

 

 

Hüseyin Yilmaz kam 1964 nach Deutschland, um seiner in der Türkei auf ihn wartenden Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch dann beschließt er, Frau und Kinder nachzuholen. Anfangs fällt die Eingewöhnung natürlich schwer, alles ist anders: das Land, die Kultur, das Essen, die Religion. Nach und nach richten sie sich zwar ein, aber wie ist das nun mit der Heimat? »Wer oder was bin ich eigentlich - Deutscher oder Türke?«, fragt sich der sechsjährige Enkel, als ihn beim Fußball weder seine türkischen noch seine deutschen Mitschüler in ihre Teams wählen. Seine 22-jährige Cousine wiederum weiß nicht, wie sie der Mutter beibringen soll, dass sie schwanger ist von einem ›Nicht-Türken‹. Die Verwirrung wird komplett, als Hüseyin der Familie eröffnet, er habe ein Haus in Anatolien gekauft und möchte mit allen dorthin fahren.

45 Jahre, nachdem  er als der »Eine-Million-und-erste-Gastarbeiter« in die Bundesrepublik kam, ist manches anders, vieles aber noch immer ernsthaft-komisch in und zwischen den Kulturen. Der Abspann zitiert Max Frisch: »Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen Menschen.«

Fotos: Concorde Filmverleih, München


 

Themen

andere Kulturen, Anpassung, Biografie, Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, Erziehung, Familie, Generationskonflikt, Heimat, Identität, Integration, Komödie, Migration, multikulturelle Gesellschaft, Religion, Toleranz, Türkei, Vorurteile

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Die Komödie erzählt ein wichtiges Kapitel bundesrepublikanischer Geschichte ohne pädagogischen Zeigefinger. Und mit einem Element, das hierzulande oftmals nur sehr schwer zu integrieren ist: Humor.«
Josef Engels, Die Welt, Berlin

»Eine solide Arbeit, wie sie das Genrekino in Deutschland gar nicht sehr häufig hervorbringt, mit ein paar Anleihen bei alten Meistern ... und einer ziemlich guten Besetzung.«
Susan Vahabzadeh, Süddeutsche Zeitung, München

»Liebevoll, melancholisch, feinironisch werden die beliebten Vorurteile und Klischees beider Nationalitäten unangestrengt wie köstlich unterhaltsam beleuchtet, inmitten menschlicher Lebensentwürfe und Identitäten. Von einfallsreich bis ausgesprochen komisch wird die Palette ums türkisch-deutsche Eingemachte pointiert abgeklopft. Der Film läuft übrigens in Deutsch und in Türkisch im Kino.«
Hans-Ulrich Pönack, DeutschlandRadio Kultur

»Wie heilsam kann eine Komödie sein, weil sie sich löst von den festgefahrenen Meinungen der Integrationsdebatte oder der Furcht vor Islamisten, Ehrenmorden und jugendlichen Intensivtätern muslimischen Glaubens. Der Film ›Almanya‹ zeigt normale Menschen, komisch überzeichnet zwar, aber doch wahrhaftig.« 

Parvin Sadigh, Die Zeit, Hamburg

»Die Deutschen - das muss man zugeben, selbst wenn man in diesem Land sozialisiert wurde - sind schon ein wirklich bizarres Völkchen. Mal ehrlich, was müssen das für Menschen sein, die einen martialisch am Kreuz aufgeknöpften, blutenden Mann religiös verehren. Aus muslimischer Sicht muss der Katholizismus als barbarische Religion erscheinen. So gesehen liefert ›Alamanya‹ einen wunderbaren Nachklapp zur Integrationsdebatte vom letzten Jahr.«
Christian Buß, Der Spiegel, Hamburg

»Die Umkehr der vertrauten Rollen ist in diesem seltsamen Almanya auch weiterhin Programm. Am Vortag ihrer Abreise nach Deutschland weinen sich Hüseyins Kinder aus Furcht vor den Blut trinkenden Christen in den Schlaf, und im neuen Heim schrubbt die entsetzte Fatma erst einmal die Toilette blitzblank. Was danach folgt, lässt sich durchaus als Idealfall gelungener Integration bezeichnen: Die Kinder führen den einträglichen Weihnachtsbrauch der Geschenke zu Hause ein, verbinden das Beste aus zwei Kulturen und wachsen unweigerlich zu einer der quirligsten Großfamilien in der Geschichte der deutschen Filmkomödie heran.«
Michael Kohler, Frankfurter Rundschau

»Bei seiner Berlinale-Premiere hat ›Almanya‹ Triumphe gefeiert, weil er einen Nerv trifft; weil er eine Sehnsucht mit einer Erfahrung kombiniert. Und er hat dem Festival seinen schönsten Augenblick beschert - als die Schwestern, nein, sie tragen keine Kopftücher, nach der Vorführung selig das Team auf die Bühne rufen und mittendrin auch ihre Eltern: Kurz steht da ein altes Paar auf, irgendwo im Parkett und mitten im Jubelsturm.«  

Jan Schulz-Ojala, Der Tagesspiegel, Berlin

»›Almanya‹ ist für die deutsch-türkische Gegenwart ungefähr das, was ›Alles auf Zucker‹ für die deutsch-jüdische ist. Auch das war ein Gang über ein Minenfeld. Und schon der bewies, dass einem ein Minenfeld nichts anhaben kann, wenn man bloß darüber tanzt und dabei lacht.« 
Elmar Krekeler, Die Welt, Berlin



zuletzt aktualisiert am 12.04.2016

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