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Der Pianist
The Pianist

Frankreich/Deutschland/Polen/Großbritannien/Niederlande 2002

 

 

Inhalt

Ende Oktober 1940 erfolgt die Zwangsumsiedlung der jüdischen Bürger Warschaus, unter ihnen die Familie Szpilman, ins Ghetto. Sohn Wladyslaw war vor dem Krieg ein gefeierter Rundfunkpianist, noch im Ghetto hat er die Menschen mit seinem Spiel erfreut und bestärkt. Nach der Umquartierung in ein Sammellager im März 1942 beginnen von dort aus die Deportationen ins KZ. Bereits auf dem Weg in die Waggons und damit dem Tode geweiht, verhilft ein jüdischer Polizist Wladyslaw Szpilman zur Flucht. Der Musiker kann sich zunächst bei Freunden verbergen, später irrt er krank und halbverhungert durch die menschenleere Stadt. In einer alten Villa findet er nicht nur ein Versteck vor den Häschern, sondern zu seiner großen Überraschung auch ein Klavier. Der Wunsch, in die Tasten zu greifen, ist für den Pianisten übermächtig. Doch wenn er sich nicht verraten will, muss er der Versuchung widerstehen. Als er dennoch von einem deutschen Offizier aufgespürt wird, scheint sein Schicksal besiegelt. Wider Erwarten aber liefert der Deutsche Szpilman nicht dem sicheren Tode aus. Seinem Gewissen folgend, entscheidet er sich in den Zeiten der Barbarei für ein Zeichen der Menschlichkeit. 

Der Regisseur Roman Polanski, dessen Mutter in Auschwitz umkam und der selbst nur knapp dem KZ-Tod entging, hat - nach der Autobiographie des 2000 verstorbenen Konzertpianisten und Komponisten Wladyslaw Szpilman - den Film seines Lebens gedreht.

Fotos: Tobis Filmverleih





 

Themen

Antisemitismus, Biografie, Diktatur, Drittes Reich, Ethik und Moral, Faschismus, Ghettoisierung, Holocaust, Jüdisches Leben, Krieg, Kunst und Politik, Literaturverfilmung, Nationalsozialismus, Rassismus, Totalitarismus, Vertrauen, Werte, Widerstand, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Musik, Philosophie, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Nein, es war nicht anders. Was ich mir nie vorgestellt, was ich nie zu hoffen gewagt habe, das ist Polanski hier gelungen: Er hat den Alltag des Gettos … mit überwältigender Genauigkeit wiedergegeben. Nein, da ist nichts übernommen, da ist alles rekonstruiert. Und Polanski hat es meisterhaft gemacht.«
Marcel Reich-Ranicki, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Polanski schert sich kein bißchen um den Troß der vorausgegangenen Nazifilme. Er erzählt die Geschichte seines Protagonisten konsequent und eigensinnig, er weicht ihm nicht von der Seite, als nach und nach all seine Mitmenschen aus der Handlung verschwinden, und verläßt niemals seine Perspektive. […] Polanski demonstriert nicht, er läßt geschehen und uns zusehen. All das inhumane Entsetzen findet seinen Platz im Kopf des Zuschauers. Zusammen mit Adrien Brodys Leistung in der Titelrolle, vor der man sich nur tief verbeugen kann, entsteht ein Film, der mit einigem Recht als Polanskis bislang größtes Werk betrachtet werden kann.« 
Dietrich Brüggemann, Schnitt – Filmmagazin, Köln

»Der Film ist meisterhaft, weil er konventionell ist und weil er einen nicht täuscht. Er lockt nicht mit Polanskischen Stilmitteln wie Absurdität, Horror und Surrealismus. Derlei passt für die schein-normale Lebenswelt – ist der Gegenstand aber selbst schon ein Abgrund, weit jenseits der Kategorien von Realismus und Surrealismus angesiedelt, dann ist jede Stilisierung streng genommen nur als Täuschung zu verstehen. Dann liegt es nahe, ein möglichst deutliches Bild zu zeichnen: ohne mit ästhetischen Brüchen, spektakulären Sondereffekten und pädagogischer Zuspitzung die Betrachter wohlig-voyeuristisch zu konditionieren.«
Simone Mahrenholz, Der Tagesspiegel, Berlin

»Der Pianist wirkt gerade deshalb so eindrücklich und zieht den Zuschauer so intensiv ins Geschehen hinein, weil Polanski die Geschichte gleichbleibend kühl inszeniert. So vermeidet er jeglichen Gefühlskitsch. Der Pianist versinkt am Ende nicht wie noch ›Schindlers Liste‹ in einer unerträglichen Feier der Gutmenschen - obwohl die Versuchung groß ist. Und damit rettet Polanski nicht nur ein Stück eigene Erinnerung, sondern wird auch der erstaunlichen und lesenswerten Autobiografie Szpilmans gerecht.«
Knut Köstergarten, der Freitag, Berlin

»Dies sei ein einfacher Film ohne Effekte, kein experimenteller und auch kein avantgardistischer, hat Polanski seine Crew zu Beginn eingestimmt, für Kunststückchen in Regie und Kamera sei kein Platz. Und deshalb kommt "Der Pianist" als ein Film außerhalb unserer Zeit daher, dieser aufgeklärten Zeit, in der alles besprochen und bewältigt ist. Ein Film unter Schock, wie am ersten Tag danach. Der letzte seiner Art.«
Hans-Georg Rodek, Die Welt, Berlin

»Aber es ist eine Erzählung über die Zeit, auch eine Lektion in Respekt - ohne Polanskis Ironie, die der Gegenstand des Films verbot. Indem er, anders als Spielberg, fast schüchtern auf jeden Pathos in diesen Bildern vom verletzbaren Menschen und den Gesten der Menschlichkeit verzichtet, hat Polanski erneut einen untypischen Film gedreht. Es ist einer der Bescheidenheit vor dem Horror, der damals die Wirklichkeit beherrschte.«
Stefan Melle, Berliner Zeitung




zuletzt aktualisiert am 19.03.2014

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