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Das Mädchen Wadjda

Saudi-Arabien/Deutschland 2012

 

 

Inhalt

In der saudi-arabischen Hauptstadt lebend, nimmt es die elfjährige Wadjda mit den religiösen und moralischen Vorschriften nicht so genau. Während ihre Mitschülerinnen unter der langen Abaya schwarze Lederschuhe erkennen lassen, stellt Wadjda demonstrativ ihre Basketballtreter zur Schau. Von der Lehrerin muss sie sich anhören, was ehrbaren Mädchen erlaubt oder verboten ist. Ihre vom Mann verlassene Mutter fügt sich dem, was Frauen geziemt. Wadjda dagegen hat sich Unmögliches in den Kopf gesetzt: Sie braucht 800 Rial zum Erwerb eines Fahrrads, um dann im Wettbewerb mit Abdullah den Jungen zu besiegen. Unerschrocken und erfindungsreich versucht sie, mit einem illegalen Handel und ein paar Tricksereien, ihr Ziel zu erreichen. Weit schneller ginge es, könnte sie beim Koran-Rezitationswettbewerb die Beste werden. Wenn sie bislang in dieser Disziplin nicht gerade glänzte, macht sie sich nun um so eifriger und zur Verwunderung aller ans religiöse Werk. Als Wadjda tatsächlich gewinnt, sorgt ihre Ankündigung, wofür sie die Prämie zu verwenden gedenkt, für blankes Entsetzen. Ihre so schwer verdienten Rials wird sie nicht für den Kauf eines Rades ausgeben dürfen, sondern als ›freiwillige Spende‹ in einen Solidaritätsfonds für Palästina einzahlen. 

Mit einer wie Wadjda kommen Mädchen in Saudi-Arabien vielleicht noch nicht an die Macht, aber schon ganz schön weit. Ein sensationeller Film mit einer superstarken Protagonistin.

Buchtip: Hayfa Al Mansour. Das Mädchen Wadjda. Roman. Aus dem Englischen von Catrin Frischer. cbt Verlag, München 2015.
304 Seiten. 12,99 Euro. ISBN: 978-3-570-16378-8
eBook ISBN: 978-3-641-15242-0, € 9,99 

Fotos: Koch Media


 

Themen

andere Kulturen, Außenseiter, Demokratie, Familie, Geschlechterrollen, Gleichberechtigung, Identität, Islam, Menschenrechte, Normen, partriarchalische Gesellschaft, Schule, Toleranz, Vorurteile, Werte

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religion, Politische Bildung, Sozialkunde

 

Kritikerstimmen

»Damit ist ›Das Mädchen Wadjda‹ der erste saudi-arabische Kinospielfilm überhaupt. Dass er (...) von einer Frau inszeniert wurde, ist eine kleine Sensation. Wobei der Film diesen Reiz keineswegs braucht. Es ist auch so schon eine starke Geschichte, die ›Das Mädchen Wadjda‹ erzählt, mit einer großartigen jungen Hauptdarstellerin, in einer klaren, zurückhaltend poetischen Bildersprache.«
Martina Knoben, Süddeutsche Zeitung, München

»Die Innenansichten, die Al Mansour von ihrem Heimatland liefert, zeichnen eine zutiefst paradoxe Gesellschaft, bei der Tradition und moderne Lebensansprüche schon lange nicht mehr zusammen-passen: Die strengen Verhaltensregeln, die die wahabitische Richtung des Islam den Bewohnern (und vor allem den Bewohnerinnen) auferlegt, lässt der Film so ›aufgesetzt‹ und unzeitgemäß wirken wie die Abaya bzw. der Hijab, den die Frauen über ihre Jeans und andere moderne Kleider stülpen, sobald sie das Haus verlassen. Al Mansour vermeidet es aber, die Frauen als ›Opfer‹ einer Männergesellschaft darzustellen; sie zeigt sie vielmehr als Mitverantwortliche.« 
Felicitas Kleiner, film-dienst, Bonn

»Subtil entwickelt die Regisseurin mit ihrer unwiderstehlichen Heldin eine kleine Geschichte, die zugleich ein großes Panorama ist. Doch wird dieser mit deutschem Geld koproduzierte Film seinen Weg in Saudi-Arabien erst finden müssen: Während er für uns bei aller sozialen Brisanz einfach Kino ist, ist er dort ein Tabubruch, aus dem die blaue Farbe, mit dem sich ein Mädchen die Zehennägel bemalt, herausleuchtet wie ein revolutionäres Signal.« 
Bert Rebhandl, Der Standard, Wien

»Ein unbedingt sehenswerter Film, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, der uns eine uns völlig fremde Kultur ein ganzes Stück näher bringt. Aber gerade für Kinder, sollte im Nachhinein unbe-dingt die Möglichkeit des Gesprächs bestehen. Ich könnte mir den Film auch sehr gut für Klassenvorführungen mit anschließender Diskussion vorstellen. Er wird sowohl bei kleinen als auch bei großen Menschen Denkprozesse in Gang setzen und uns ein bisschen über unseren eigenen gut gefüllten Teller-Rand blicken lassen (...) Er bewegt und lässt einen lange nicht los.«
Ulla Hitzelberger-Otto, Christian Humm, kinderzeit(ung), Bremen

»Was für eine wunderbare Entdeckung ist dieser Film! Ganz ›fremd‹ in seinen starren Konventionen, ganz behutsam sich ›dagegen‹ annähernd, souverän in der Schilderung und Beschreibung dieser leisen individuellen ›Auflehnung‹ einer jungen Andersdenkenden, Andersempfindenden, Andershandelnden. Dabei ohne Geschrei und Getöse.«
Hans-Ulrich Pönack, Filmkritiker (u.a. Deutschlandradio Kultur, Spreeradio)

»›Wir wissen alle, dass die Situation in Saudi-Arabien sehr schwierig ist‹, so Al Mansour. ›Aber es ist wichtig, die Menschen zu inspirieren, damit sie Mauern einreißen, ihr eigenes Leben verändern und an ihre Träume glauben. Darin steckt die Kraft. Das kann Gesellschaften voran bringen.‹ Eines hat ihr Film wohl schon verändert, sagen einige: Seit April 2013 dürfen Frauen in Saudi-Arabien Fahrrad fahren - unter Aufsicht von Männern, aber immerhin.«

Katrin Moser, 3sat (Kulturzeit) 




zuletzt aktualisiert am 12.02.2016

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