Kriegerin
Deutschland 2011
Inhalt
Marisa träumt von zwei neuen Tätowierungen: auf der einen Schulter ihr Großvater und Hitler auf der anderen. Die junge Frau ist Neonazi – hasst Ausländer, Schwarze, Juden und Polizisten. Sie rastet aus und drischt brutal zu, wenn ihr jemand dumm oder in die Quere kommt. Im blindwütigen Hass auf das Andere und die Fremden, auf die Politik und das System glaubt die 20-Jährige genau zu wissen, wer schuld ist an den Zuständen in diesem Land und um sie herum. Lustlos im Job an der Supermarktkasse, angeödet von den Vorhaltungen der Mutter, verroht im Denken und Fühlen. Marisas Leben ist aus den Fugen: In der rechten Clique macht ihr eine 15-Jährige aus gutem Hause Konkurrenz, ihr gleichgesinnter Freund muss in den Knast, der geliebte Großvater liegt im Sterben. Als sie mit ihrem Auto zwei afghanische Asylbewerber über den Haufen fährt und einfach liegen lässt, scheint der Tiefpunkt erreicht. Ein schlechtes Gewissen und ein Rest von Mitgefühl und Verantwortung bringen sie dann doch zum Nachdenken. Irgendwie gerät Marisas Weltbild ins Wanken. Doch der Weg aus der Szene wird härter als sie ahnt.
»Der Film soll aufklären, ohne vordergründig pädagogisch zu sein. Er soll Stellung beziehen, ohne auf Klischees zurückzugreifen. Er soll provozieren und unterhalten, ohne nach billigen Effekten zu haschen. Man wird den Figuren nahekommen, sie verstehen können, ohne ihre Taten zu entschuldigen. Der Film gibt keine abschließenden, einfachen Antworten. Er beleuchtet aber die für den Rechtsextremismus ursächlichen Faktoren und macht klar, dass es nicht um ein Jugendphänomen geht, sondern dass rechte Tendenzen ein Problem sind, das weit in alle Gesellschafts- und Altersschichten vorgedrungen ist.« Regisseur David Wnendt
Themen
Rechtsextremismus, Neonazis, Rassismus, Gewalt, Ausländerfeindlichkeit, Menschenwürde, Toleranz, Zivilcourage, Ideologie, Rollen- und Geschlechterbilder, Gruppenzwang, Generationsbeziehungen, Hatecore/Rechtsrock
Fächer
Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Musik
Pressestimmen
»Die Inszenierung ist beängstigend authentisch, vor allem durch die Fokussierung auf die Dynamik innerhalb der Clique, die politikentleert ihren Zusammenhalt durch rechtsradikale Symbole sucht. Viele subtile Andeutungen lassen Raum für eigene Schlüsse. Kraftvoll und beängstigend nah – ein wichtiger deutscher Film.«
Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
»Ein sehr beachtenswerter Beitrag zur derzeitigen Diskussion über die Neonaziszene und birgt in sich zugleich die Forderung nach präziser Ursachenforschung des zeitgenössischen Rechtsradikalismus.«
Sonja Baude, AVIVA-Berlin.de
»Mitten hinein in die rechte Szene begibt sich David Wnendt mit Kriegerin und kommt gerade zur richtigen Zeit, wo sich Politik, Gesellschaft und Sicherheitsorgane nach der Verhaftung von Beate Z. und dem Auffliegen der Neonazi-Terrorgruppe NSU eingestehen müssen, dass sie das Thema Rechtsradikalismus dramatisch unterschätzt haben.«
Martin Schwickert, ultimo auf draht, Bielefeld




