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Der Untertan

DDR 1951

 

 

Nach oben buckeln und nach unten treten: Das Radfahrer-Prinzip wird für Diederich Heßling zur Leitschnur seines Lebens im wilhelminischen Kaiserreich. Als Fabrikantensohn beugt er sich früh und fromm väterlicher wie schulischer Autorität. Willfährig und skrupellos übernimmt er, was Machtstreben und Karriere förderlich ist. Den letzten, schmissigen Schliff erhält sein Charakter bei der Studentenverbindung »Neu-Teutonia«. Hier wächst und gedeiht der Chauvinismus, entfaltet sich der Kaiserkult zu vollster Blüte. Nach dem Tod des Vaters schwingt er sich zum Alleinherrscher in Familie und Firma auf. Eine gute Partie, die Ehe mit einer reichen, aber ungeliebten Frau, komplettiert das Ideal des despotischen Untertanen. Eine schonungslos-scharfe Satire auf den Typus eines reaktionären Nationalisten am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

Fotos: DEFA-Stiftung/Eduard Neufeld

 

Themen

(deutsche) Geschichte, Antisemitismus, Chauvinismus, DEFA-Klassiker, Gesellschaftssatire, Kaiserkult, Korpsgeist, Literaturverfilmung, Machtmissbrauch, Militarismus, Patriotismus, Preußentum, Untertanengeist

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Dieser Defa-Film kommt im rechten Augenblick; politisch und künstlerisch … Die Großeinstellungen, der Wechsel der Einzel- und Gesamtaufnahmen, von den genialen sowjetischen Regisseuren Eisenstein und Pudowkin als bild-dramaturgisches Mittel in den Film eingeführt, sind von Staudte und seinem Kameramann Baberske hier selbständig und in richtiger, sinndienender Anordnung verwendet. Dadurch erst werden die vielen satirischen Situationen und Simplizissimus-Karikaturen möglich.«
Herbert Ihering, Berliner Zeitung, 04.09.1951

»In eine Zeit, die längst vergangen ist, führt der Wolfgang-Staudte-Film der ostzonalen DEFA ›Der Untertan‹, getreu nach Heinrich Manns bitterböser Satire auf das 2. Kaiserreich gedreht. Der Film wird im Ausland den ohnehin weitverbreiteten Irrtum verstärken, daß ein direkter Weg von der wilhelminischen Bartbinde zu den Gaskammern Hitlers führe. In der Bundesrepublik dagegen ist die Karikatur als solche zu erkennen, so daß ein Verbot des Films lediglich den Eindruck aufkommen lassen könnte, als fühlten sich Repräsentanten aus Behörde und Justiz getroffen.«
Der Spiegel, Hamburg, Nr. 50/1951

»In Hamburg waren Ulrich Gregor und ich im studentischen Arbeitskreis Film und Fernsehen aktiv. Seit 1954. Drei Jahre später – wir waren kaum Mitte 20 – fanden wir in Staudtes ›Untertan‹ artikuliert, was unser Unbehagen an der autoritären restaurativen Adenauerrepublik und ihrer feuilletonistischen Filmkritik war. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte, dass ›Der Untertan‹ das entscheidende Erlebnis war, politisches Bewusstsein zu entwickeln.«
Dietrich Kuhlbrodt,
film-dienst, Bonn, Nr. 21/2006

»Der scharfe polemische Stil und der souveräne Einsatz der filmischen Mittel faszinierten uns und wirkten wie ein Prisma, in dem alle fatalen militaristisch-autoritären deutschen Traditionen, alles, wovon wir uns lossagen wollten, zusammengefasst wurde. Daher wirkte Staudtes ›Untertan‹ im Jahr seines Erscheinens wie ein Bildungserlebnis für die Nachkriegsgeneration.«
Ulrich Gregor, film-dienst, Bonn, Nr. 21/2006

»Staudte erschien uns in dieser Zeit als der einzige deutsche Regisseur, der Lektionen der Filmgeschichte, deutsche und russische, Expressionismus wie Sachlichkeit, fruchtbar zu machen verstand für eine aktuelle kritische Filmregie. Vorbehalte hatte ich beim ›Untertan‹ nur gegenüber einem gelegentlichen ›Absinken ins Unverbindlich-Kabarettistische‹.
Enno Patalas, film-dienst, Bonn, Nr. 21/2006

»Schauspielerische Leistung, Musik, Kameraarbeit und Regie machen die Literaturverfilmung zu einem Klassiker des deutschen Nachkriegskinos.«
3sat Filmredaktion (2009)



zuletzt aktualisiert am 28.10.2014

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